Politspektakel oder sachliche Standortbestimmung?

Leserbrief von Wolfgang Schmidt
Langenhagen, 11.11.2008.

Manch Genossen geht das Hin und Her um ein neues Bad in Langenhagen längst zu weit. Doch bei einer kommunalen Investition von mind. 15 - 20 Mio. Euro und einer gut 50jährigen Nutzungsdauer sowie bei nach wie vor existierender Verschuldung ist sicherlich eine grundsolide Abwägung nach Ermittlung der absehbaren Komplettaufwände gefordert! So kommt's, dass einerseits politischer Druck besteht von Bürgern, die ihr versprochenes Kernstadtbad einfordern und andererseits besorgte Steuerzahler dagegen halten, ob es nicht eine kostengünstigere Alternative gibt.

Beim SPD-Stammtisch am letzten Sonntag stand Arbeitskreismitglied Wolfgang Kuschel Rede und Antwort bei kontroverser Diskussion. Dabei kam heraus, dass die AK-Mitglieder aus allen Fraktionen und der Verwaltung aus Kostengründen lieber einen eigenen Bewertungskatalog ersonnen und gewichteten anstatt sich einen professionellen zu besorgen. Die Vergabe von 0, 1 oder 2 Punkten je Kriterium wich dabei ebenfalls deutlich von der etablierten Form zur Bewertung von z.B. Seminaren, Hotels und anderen Leistungen ab und führte bei nahezu gleichauf liegenden Standorten je nach persönlicher Präferenz zu starken Auf- oder Abwertungen, da Zwischenwerte nicht möglich waren. Dubioserweise bekam die ÖPNV Versorgung am Standort Rehkamp volle 2 Punkte, obwohl dort überhaupt keine Haltestelle in der Nähe ist; laut Herrn Kuschel schwang der Wunsch nach einer zusätzlichen S-Bahnhaltestelle mit. Dieser Wunsch wurde wahrscheinlich beim separaten Kriterium Stadtentwicklung dann noch einmal positiv bepunktet, so dass der AK schlussendlich selbst überrascht war, dass dieser Standort den 3. Platz belegte.

Der Godshorner Standort schnitt dagegen schlecht ab, da man dessen spezielle Vorzüge wie geringe Erschießungskosten und keine Abstandszahlung für Hannover einfach mit dem Planungsrecht und Kartierungsaufwand zusammenwarf und unter dem Punkt Sonstiges verrechnete, der lediglich mit 8% (Erreichbarkeit dagegen 30%) in die Standortgesamtwertung einfloss.

Der öffentliche Aufschrei gegen die Standortvorauswahl führte wohl dazu, dass der am schlechtesten bewertete Standort Godshorn nun doch noch im Rahmen einer Ratsvorlage gegenüber den favorisierten Standorten bewertet werden soll. Man kann nur hoffen, dass dazu die wahren Standortkosten incl. Grundstückswert ermittelt werden. Verkehrstechnisch dürften sich die Anpassungen nicht viel nehmen und sie sind an allen Standorten möglich. Schulkinder wird es auch immer geben, die nicht fußläufig das Schwimmbad erreichen können; doch wenn deren Eltern es wollen, können diese schon vor der Einschulung schwimmen oder es in der Sommerferien kostengünstig im Freibad erlernen.

Die CDU gab unter www.schwimmbad11.de Bürgern die gute Gelegenheit, ihre Forderungen an ein neues Bad mittels Ausstattungskatalog zu stellen. Leider haben diese Seite in mehreren Monaten nur ca. 1000 Nutzer gefunden und immerhin entschieden sich davon 240 für Godshorn, obwohl gerade dieser Standort überhaupt nicht auszuwählen war! Aber egal, in wenigen Wochen kamen in einer anderen Aktion ca 2.500 Unterschriften für diesen Standort zusammen. Alles Politikspektakel? Wir Steuerzahler sollten aufpassen, auf welcher Grundlage schwerwiegende Entscheidungen im Rat getroffen werden!

Wolfgang Schmidt