NS-Mahnmal in Godshorn eingeweiht

Für die toten Kinder hannoverscher Zwangsarbeiterinnen
Langenhagen, 10.09.2009.

Zur Erinnerung an die schrecklichen Folgen des vor 70 Jahren begonnenen 2.Weltkriegs wurden gemeinsam mit politischen Repräsentanten/innen der Region Hannover sowie Schülern und Schülerinnen der Grundschule Godshorn am Mittwoch, 9. September, um 12.00 Uhr am Le-Trait-Platz in Langenhagen eine Gedenk- und Erinnerungstafel für ermordete Zwangsarbeiterinnen und ihre Kinder eingeweiht und anschließend das durch Steinbildhauermeister Karl-Heinz Spiekermann hierfür gestaltete Mahnmal in der Ziegeleistraße in Godshorn enthüllt.

Zitate am Einweihungstag
"Kriege entstehen in den Köpfen der Menschen, darum ist das Erinnern an die Folgen so wichtig, damit von deutschem Boden niemals mehr Krieg ausgeht!"
Dr. Horst Meyer, Vorsitzender Gegen das Vergessen / NS-Zwangsaerbeit e.V.

"Wir können das Geschehene nicht rückgängig machen, aber wir können dazu beitragen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt!"
Friedhelm Fischer, Bürgermeister Stadt Langenhagen

"Wir brauchen Orte des Gedenkens. Auch an die Schmutzflecken in unserer weißen Weste!"
Falk Wook, Pastor Kirchengemeinde Godshorn

"Viele Greueltaten sind bereits vergessen. Wir müssen immer wieder mahnen und erinnern!"
Wilhelm Minne, Ortsbürgermeister Godshorn



Mit diesen Erinnerungsstätten soll auch ein Zeichen gesetzt werden gegen das Vergessen und das Aufkeimen nationalsozialistischen Gedankengutes und den aktuellen Rechtsradikalismus.

Aufsehen erregende Erkenntnisse aus neuester Zeit über den Tod von mehr als 300 Säuglingen von Zwangsarbeiterinnen des 2.Weltkrieges in hannoverschen Unternehmen machen deutlich, welche Tragweite die Erinnerungsarbeit des Verein „Gegen das Vergessen ./. NS-Zwangsarbeit e.V.“ hat. Mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939 ging von deutschem Boden nicht nur der schrecklichste und opferreichste Weltkrieg aus, sondern wurde mit der massenhaften Rekrutierung ausländischer Zwangsarbeiter/innen - vorwiegend aus Osteuropa - für die Kriegsproduktion ein weiteres großes Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch Deutsche begangen.

Der um sich greifenden Mentalität des Verdrängens dieser grauenvollen deutschen Geschichte setzt der Verein „Gegen das Vergessen ./. NS-Zwangsarbeit e.V.“ eine wirkungsvolle Erinnerungsarbeit entgegen, die unseren Bürgerinnen und Bürgern sowie Gästen aus aller Welt die Situation der bis zu 60.000 Zwangsarbeiter/innen in den Jahren 1939 bis 1945 in hannoverschen Unternehmen näherbringt.

Besonders betroffen waren die Wöchnerinnen unter den Zwangsarbeiterinnen und ihre Säuglinge, die in einer von hannoverschen Rüstungsfirmen betriebenen Baracke in Godshorn untergebracht waren und darin elendig umkamen.

Mit Unterstützung der Stadt Langenhagen und hannoverscher Unternehmen sind nunmehr ein Mahnmal und eine Gedenktafel mit historischen Daten und Fakten in deutscher, russischer und polnischer Sprache (siehe Anlage) entstanden, die auf die menschenvernichtenden Bedingungen der Wöchnerinnen unter den Zwangsarbeiterinnen und ihrer Säuglinge aufmerksam machen, deren Todesrate durch Unterernährung, fehlende medizinische Versorgung und schlimmste hygienische Verhältnisse über 75 % betrug. Ihrer soll besonders gedacht und ihren Angehörigen das Mitgefühl Hannoverscher Bürgerinnen und Bürgern zum Ausdruck gebracht werden.

 


Le-Trait-Platz
Die Grundschulkinder singen an der neuen Gedenktafel am Le-Trait-Platz.

Ziegeleistraße

Kinder der Grundschule Godshorn legen einen Kranz nieder am Mahnmal in der Ziegeleistraße.

Gedenktafel Inschrift
Die Inschrift der Gedenktafel am Le-Trait-Platz.


"Ich kann es nicht mehr hören!"

Kommentar von Bernd Winter

"Das ist doch schon so lange her..., mit noch einem Denkmal ist niemandem geholfen... Andere haben auch Verbrechen begangen..."

Solche Sprüche hört man öfter. Manchmal flüsternd versteckt, leider auch manchmal laut und offen. Sie sind wohl oft Resultat von Unkenntnis oder nur schlichtes Nachplappern.
Unkenntnis kann und muss abgeholfen werden. Wer über die Greueltaten der Nazis informiert ist, wird dummen Sprüchen nicht glauben und sich selber dumme Sprüche verkneifen.
Genau dazu dienen auch heute noch neue Mahnmale und Erinnerungstafeln. Um allen Menschen die Deutschland bewohnen stets zu sagen: Das ist hier passiert! Und ihr müsste es wissen, damit es niemals wieder passiert!


Es ist bewiesene Tatsache, dass allein im nur 50 Kilometer entfernten Konzentrationslager Bergen-Belsen mehr Menschen umgebracht wurden, als Langenhagen heute Einwohner zählt.

Wir haben die Pflicht, dafür zu sorgen, dass Deutschland ein Rechtsstaat bleibt, in dem es keine Arbeitslager und Konzentrationslager mehr geben kann. Dieser Pflicht kann man schon dadurch nachkommen, in dem man die oben zitierten Sprüche nicht kommentarlos zulässt.