Fazit zur Bombenräumung am 29. März

Aktion in Langenhagen verlief reibungslos ohne Zwischenfälle
Langenhagen, 29.03.2009.

Problembombe mit Raketenklemme entschärft
Die Situation hatte den Charakter eines vollendeten Happy Ends: Sprengmeister Thomas Gesk und sein Team des niedersächsischen Kampfmittelbeseitigungsdienstes präsentierten kurz nach 17 Uhr die geborgenen und entschärften Bomben. Bombe Nummer 6, der Problemfall unter dem Hallenboden auf dem Schröter-Gelände, war punktgenau nach den avisierten 90 Minuten entschärft.
Mit einer „Raketenklemme“ wurde der gefährliche Säurezünder in Hochgeschwindigkeit aus der Bombe gedreht - der dabei hervorgerufene Knall, der Langenhagener bis zur Silberseegegend erschreckte, war keine Explosion sondern reguläre Folge der pyrotechnischen Entschärfung.
Ein Restrisiko bestand bei dieser Technik: Wäre der Zünder nicht schnell genug herausgedreht gewesen, dann wär die Bombe hochgegangen. Das Kampfmittelbeseitigungsteam hatte sich darum mehrere Blocks entfernt aufgehalten und die Raktenklemme ferngesteuert.

Eine „ganz oder gar nicht“-Methode.
Die Bomben mit chemischen Langzeitzündern sind selten: Im ganzen Jahr 2008 hatte das Team nur einen solchen Fall, im Jahr 2009 bisher einen weiteren. Alle konnten mithilfe der Raketenklemme erfolgreich entschärft werden. Zuvor hatte der Sprengmeister in einem drei Meter tiefen Loch in der Halle geschwitzt, um den Entschärfungsmechanismus anzubringen. Als klar war, dass auch Bombe 6 keine Gefahr mehr darstellte, gab es auch im Beseitigungsteam große Erleichterung. Einen Medienrummel wie in Langenhagen erleben auch die Spezialisten selten. Dass die Langenhagener deutlich schneller als erwartet in ihre Häuser zurück konnten war der schnellen und präzisen Arbeit des Teams um Thomas Gesk zu verdanken, das im Zehn-Minuten-Takt die ersten vier Bomben entschärfte.

Präzise und reibungslose Abläufe
Doch präzise und reibungslos arbeiteten auch Johanniter, Feuerwehr, THW und Polizei. Bürgermeister Friedhelm Fischer dankte allen in der Abschlusspressekonferenz ausdrücklich für ihre Arbeit. Bei dieser Großaktion stimmte alles: Die Bevölkerung zeigte sich so kooperativ, dass die Stufe „Sicherheit“ auf dem Gelände deutlich früher als geplant gegeben werden konnte. Kaum jemand reagierte unmutig, als er morgens aufgefordert wurde, das Gelände zu verlassen. Aber es musste auch kaum jemand gesondert dazu aufgerufen werden.

In der Sammelstelle IGS, in der sich bis zum Schluß rund 600 Menschen eingefunden hatten, wurde die Lautsprecherdurchsage für jede entschärfte Bombe mit Begeisterung aufgenommen. Schlechte Laune sah man den ganzen Tag über in Langenhagen kaum: Evakuierte und Hilfskräfte freuten sich über den zügigen Fortgang der Aktion und waren in guter Stimmung. Keine Zwischenfälle, reibungslose Arbeitsabläufe, verständige Bevölkerung: Das machte auch bei den Fernseh- und Radioteams Eindruck, die den ganzen Tag über die Aktion begleiteten.

Im Blickpunkt der Medienwelt
Langenhagen im Blickpunkt des Medieninteresses: Noch nicht oft hat es die Stadt in die „Tagesschau“ geschafft. 1994 mit der Kunstaktion von Yoko Ono (nackte Popos auf Plakaten), 2003 mit dem Fall Dr. Bach - und jetzt. Der NDR sendet heute nach 22 Uhr einen Sonderbeitrag, RTL plant wohl sogar eine längere Reportage. Was den Kollegen des Fernsehens nicht geboten werden konnte, waren randalierende zu Evakuierende oder unangenehme Zwischenfälle - die gab es nämlich nicht. eine einzelne Wiesenauerin aus der Uhlandstraße, die gegen 9 Uhr das Haus verließ, als der Pressebus gerade dort angekommen war, hatte darum ihre große Minute: Alle Kameras richteten sich auf die Frau, die wohl bereits die letzte war, die aus der Uhlandstraße zog.

Wenig los in den Sammelstellen
Wo die Langenhagener Evakuierten den Tag verbrachten? Es bleibt unbekannt, denn statt 5.000 kamen nur 600 in die zentrale Sammelstelle, der andrang beim Ponyreiten am Ice & Event-Center hielt sich in Grenzen und selbst das Angebot für kostenloses Schwimmen in Godshorn sorgte nicht für ein überlaufenes Hallenbad. Die Osterferien haben sicher dazu beigetragen, dass viele sowieso verreist waren. Aber am Morgen hatte man auch das Gefühl, dass viele Menschen bereits die Nacht an anderen Orten verbracht hatten, um nicht frühmorgens evakuiert zu werden. Die kooperative Bevölkerung: Auch eine Sache der Erfahrung, denn für die allermeisten war es nicht das erste Mal, dass sie wegen einer Bombenräumung aus den Häusern mussten.

Gutes Catering und Langenhagen-Spiele
Gutes Catering in den Sammelstellen: Erbsensuppe und Hühnersuppe, Sandwiches und Getränke - die Johanniter versorgten Helferinnen und Helfer wie Evakuierte mit leckerem Essen. Davon blieb am Ende eine Menge übrig, aber man konnte wirklich nicht vorausahnen, wie gut die 15.000 Betroffenen sich selbst den Tag organisiert hatten. Wer in der Sammelstelle Langeweile hatte, freute sich am Nachmitag über den Besuch des Stadtmarketingvorsitzenden Horst-Dieter Soltau: Der brachte Langenhagen-Spiele mit und freute sich, dass an vielen Tischen sogleich mit dem spielen begonnen wurde. Über die Abwechslung freuten sich aber auch zahlreiche Hilfskräfte, die den Tag in Bereitschaft verbrachten, aber nicht zu Einsätzen gerufen wurden oder in den Sammelstellen wenig zu tun hatten. So nehmen einige der Johanniter-einsatzgruppen aus anderen Orte auch ein Langenhagen-Spiel als Dank für ihren Einsatz und Andenken mit.