50 Jahre Stadt - ohne Dörfer

von Bettina Reimann
Langenhagen, 04.03.2009.

1974... wird Deutschland Fußballweltmeister und Willy Brandt tritt zurück. Lange her, wird der geneigte Leser denken und die geneigte Leserin fragt sich: Warum schreibt sie das jetzt?

Weil es eben auch schon verdammt lang her ist, dass Langenhagen im Zuge der Gebietsreform fünf neue Ortsteile dazubekam. Aber ob die besondere Position von Engelbostel, Schulenburg, Godshorn, Kaltenweide und Krähenwinkel für den Charme und Wohnwert der Stadt auch den heutigen Stadtvertretern bewusst ist?

Die neuen Image-Werbeobjekte, die zum Stadtgeburtstag produziert wurden, lassen daran zweifen. So ist das neue städtische Buch, das immerhin den Titel „Langenhagen“ und nicht den Titel „Kernstadt Langenhagen“ trägt, ganz gezielt an den Ortsteilen vorbeigegangen. „Die 1974 hinzugekommenen Ortsteile werden dies sicherlich verzeihen, ist diese Konzentration doch dem Thema geschuldet“, schreibt der Autor Martin Stöber.

Werden sie's verzeihen? Oder doch das Gefühl gewinnen, dass es für einen auswärtigen Autor einfach leichter war, primär die Gebäudeentwicklung im Stadtzentrum zu beleuchten, statt sich auch noch in die Lebenswelt der sehr unterschiedlichen Dörfer einzudenken?

Dass die Ignoranz Methode haben könnte, zeigt der Imagefilm der Stadt, ein Siebenminüter, der im vergangenen Sommer in kurzer Zeit abgedreht wurde. Da wird unter der Überschrift „Erholung im Stadtzentrum“ auch ein Blick vom Aussichtsturm ins Kaltenweider Moor gezeigt... Aber ein kleines Dörfchen hat den Gefallen des Filmteans gefunden: Maspe! Eine lange Sequenz vom Polo zeigt uns, an welchem Wochenende die Filmer in Langenhagen waren. Und wo sie auf ein Erfrischungsgetränk eingekehrt sind, kann man auch sehen, denn plötzlich erscheint als Empfehlung eine kommerzielle Werbung: Der Waldkater sei ein beliebtes Ausflugsziel. Und dann jener Satz, der quasi als „salvatorische Klausel“ gegen Beschwerden aus den Ortschaften eingebaut wurde: „Ein Besuch der Ortschaften ist lohnenswert.“

Ach, gibt's noch andere ausser Maspe? Wenn man bedenkt, dass Langenhagen viel weniger wohlhabend wäre, wenn Godshorn nicht 1974 seine künftigen Gewerbeflächen als Mitgift mitgebracht hätte, scheint es sträflich, dass die Perle im Film keines Blickes gewürdigt wurde.

Ein Bereich wird im Film gezeigt und im Buch beschrieben: Das Weiherfeld!
Kind der städtischen Entwicklungsgesellschaft und darum stolz vorgezeigt.

Ein Trost für das malerische Engelbostel, das gallische Dorf - unser dreigeteiltes Schulenburg, das stolze Krähenwinkel und das hinter dem Weiherfeld oft vergessene Alt-Kaltenweide kann das aber nicht sein. Zumal das Kaltenweider Moor und die Bockwindmühle auch mit sehr viel Wohlwollen nicht dem Stadtzentrum zugerechnet werden können.
Vielleicht tröstet ja, dass der Stadtmarketingverein von ganz allein auf die Idee gekommen ist, den Dörfern zwei neue Motivpostkarten zu widmen.