Eishockey in Langenhagen:

Langenhagener 1b-Jets verlieren Verbandsligaspiel
zuhause bei Auswärtsstimmung.

Langenhagen, 10.11.2008.

Rund 300 Wedemärker Fans begleiteten am Sonntag ihr Verbandsliga-Eishockeyteam zum Auswärtsspiel in den Nachbarort. Vier wackere Jets-Fans mit einer Trommel und Leihtrikots versuchten stimmlich dagegenzuhalten. Doch obwohl die Langenhagener auch einige Spieler ihrer Regionalligamannschaft auflaufen ließen, siegten die Gäste mit 3:8 (0:2;1:4;2:2).

Die Kulisse wird den 1b-Spielern gut gefallen haben, denn nur zu häufig spielen 1b-Teams vor völlig leeren Rängen. Da war es fast egal, dass die Langenhagener im eigenen Stadion in Auswärtsstimmung kommen konnten, weil die Publikumsüberlegenheit der Wedemark Scorpions derart groß war. Das einzige Tor eines echten Langenhageners schoss Jan Kammeyer - im Trikot der Wedemark Scorpions.

Die 1. Mannschaft der Jets hatte am Sonnabend gegen Adendorf zuhause vor nur 189 Zuschauern mit 4:2 gewonnen und steht jetzt an Platz 4 der Regionalliga Nord. Das nächste Heimspiel findet am 14. November um 19.30 Uhr in der Langenhagener Eishalle statt.

Die Eishockeylandschaft in der Region Hannover ist bunt und unübersichtlich geworden seit das Dazukommen der Soccioteams mit Heimat in der neuen Halle für Turbulenzen sorgte. Hier ein Essay über Vereinszugehörigkeiten und Mannschaftshistorien.

Die einfachen Fakten zuerst. Die beiden höchstrangigen Mannschaften der Region haben weder Farbe noch Standort gewechselt. Die Hannover Scorpions spielen in der DEL und tragen die Heimspiele in der Arena aus. Die Indians haben als Stammverein den EC Hannover und spielen in der Oberliga mit Heimspielen am Pferdeturm.
Doch jetzt beginnt es bereits kompliziert zu werden: Als „Stammverein“ hatten die Hannover Scorpions bisher den ESC Hannover Scorpions, der aus dem alten ESC Wedemark hervorgegangen ist. Das hat sich jetzt geändert, denn der neugegründete ESC Wedemark Scorpions ist nun jener Verein, der die offizielle Jugendarbeit für das DEL-Team macht und sich Stammverein nennen darf. Der ESC Wedemark Scorpions hat aber keine eigene Herrenmannschaft sondern kooperiert dafür mit den EC Wedemark Farmers, die ihr Team in Wedemark Scorpions umtauften, als Verein aber selbstständig geblieben sind. Daraus erklären sich die aktuellen Wedemärker Trikots, die Blau-Gelb sind, die alten Wedemärker Eissportfarben seit fast 35 Jahren. Ergänzend prangt der rote Scorpion auf dem Trikot.

Die neuen Wedemark Scorpions sind ein reines Hobbyteam. Der Farmers-Vorsitzende Günter Wetzek betont, dass in seinem Verein kein Geld an die Spieler fließt. Für Ausrüstung, Fahrten etc. wird gesorgt - aber Spielerhonorare fließen nicht. Die neuen Wedemark Scorpions im Verein Farmers beleben gerade den alten „Spirit“ des Wedemärker Eishockeys - und weil die Fanbase in der Scorpionsgemeinde traditionell groß ist, ändern auch Teamnamensänderungen wenig an der Beliebtheit des Sportes.

Was wurde aber aus dem ESC Hannover Scorpions?
Dieser Verein hat aktuell keine Herrenmannschaft unter seinem Namen, doch die Kinder- und Jugendmannschaften, die für diesen Verein starten, tragen ebenfalls den Scorpion als Logo. Als Herrenmannschaften verzeichnen die ESC Hannover Scorpions die Langenhagen Jets auf ihrer Homepage - und tatsächlich laufen die Spielerpässe der Jets größtenteils auf diesen Verein.
In die Regionalliga aufgestiegen war das heutige Jets-Team unter Trainer Lenny Soccio nämlich als „Young Scorpions“ mit homebase ESC Hannover Scorpions.
Verwirrend für viele Zuschauer im Stadion am Sonntag war, dass die Langenhagener 1b-Mannschaft, die als Jets ausgerufen wurde, Trikots der EC Hannover Seahawks angezogen hatte.
Wer sind die nun wieder?

Die „Young Scorpions“ als Lennys Team rekrutierten sich einst aus dem ESC Hannover Scorpions mit Sitz in der Wedemark und den Hannover Seahawks mit Sitz am Pferdeturm. Die Homepage der Seahawks gibt's nicht mehr. Es gibt auch keine aktuelle Herrenmannschaft unter diesem Namen im Ligabetrieb. Tragen die Langenhagener Verbandsligisten also nur die alten Trikots der Seeadler auf? Schließlich ist Bruce Keller, mittlerweile auch im Jets-Trainerteam, ehemaliger Seahawks-Trainer... Das Rätsel ist nicht so einfach zu lösen. Und: Zu welchem Verein gehören denn nun die „Hannover Airport Jets Langenhagen“ mit den Scorpions-Spielerpässen und den 1b-See-Adler-Trikots? Die Homepage des Vereins verrät es nicht. Aber zu Beginn der Saison war die Aussage, dass eine Kooperation aus ESC Hannover Scorpions und SC Langenhagen die neuen Mannschaften trägt.

Schon einfacher ist dagegen, das Auftauchen der zweiten ganz neuen Regionalligamannschaft in der Region Hannover zu erklären: Die Pferdeturm-Towers als 1b-Team des ECH gründeten sich neu, als Lenny mit seinen Young Scorpions den Exodus aus Mellendorf und vom Pferdeturm begann. Und auch wenn es keiner laut sagt: Die Towers gründeten sich mit großer Wahrscheinlichkeit als Kampfansage, denn ein erfahrener Stadionbetreiber wie Herbert Müllerchen lässt sich nicht so einfach die Butter vom Brot nehmen. Genausowenig wie Jochen Haselbacher in der Wedemark. Und weil der Pferdeturm die Traditions-Eishockeystätte mit Herz ist, werden bei Spielen am Pferdeturm auch immer Fans sein. Genauso wie in der Wedemark.

Und damit erklärt sich auch das Fanproblem für Langenhagens Eishalle: Wo kein Traditionsgefühl oder gemeinsames Aufbaugefühl ist, an dem das Herz hängt, da keine Fans. Fan sein ist etwas Emotionales. Das kommt nicht einfach so, weil's da jetzt eine Mannschaft gibt. Mit irgendwem als Spieler. Sowohl am Pferdeturm als auch in der Wedemark wurde den Fans eine Menge an Veränderungen, Umfirmierungen und Wechseln zugemutet - aber letztlich ist man in diesen Stadien zuhaus und bejubelt die Heimmannschaften. Und darum kann es Jahre dauern und bedarf einer Menge sympathie- und Communitybildender Maßnahmen, bis auch Langenhagen eine Eishockey-Fankultur entwickelt. Eine klare Entscheidung, wie die Mannschaft heisst und zu welchem Verein sie gehört, ist dafür eine Grundvoraussetzung.

Bettina Reimann







Spielszene Langenhagen Jets 1b vs. Wedemark Scorpions

Zuschauer Zuschauerkulisse

Tor für Wedemark durch Lars Reinke (Foto: Ingo Rädecker)