Bericht zum Besuch des Ehepaares Langer im Gesellschaftskurs des 13. Jahrgangs der IGS Langenhagen
Zeitzeugengespräch
Langenhagen, 04.11.2008."Ob in Kanada oder hier in Deutschland - die Schüler sind ähnlich und stellen ähnliche Fragen", so eine der Schlussfolgerungen des Ehepaares Langer nach dem Besuch eines Geschichtskurses im 13. Jahrgang der IGS Langenhagen.
Auf Einladung der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und in Begleitung des pädagogischen Mitarbeiters Ellinghaus, besuchte Manny Langer (79) aus Toronto zusammen mit seiner Frau (74) am 28.10. die IGS Langenhagen. Empfangen wurden sie vom Schulleiter, Wolfgang Kuschel und den Geschichtslehrern Gerd Fischer und Hans Norden.
Anschließend berichtete Langer in anschaulichen und eindringlichen Worten als Zeitzeuge den Schülerinnen und Schülern des Geschichtskurses von Hans Norden von seinen Erlebnissen während seiner Odyssee durch das Ghetto von Lodz und durch die Konzentrationslager in Auschwitz, Groß-Rosen und Bergen-Belsen.
Plastisch schilderte er den alltäglichen Versuch zu überleben: "Wir dachten nicht an den nächsten Tag." Im Winter 1945 wurde Langer mit anderen Häftlingen als Aufräumkommando nach Hildesheim geschickt. Er erlebte die Zerstörung der Stadt durch die britischen Bomben. Auf die Frage, "wie verhielten sich die Deutschen Ihnen gegenüber?" war die Antwort: "Sie sahen uns nicht, so als wären wir nicht da. Sie halfen uns nicht." Vielleicht hätten sie Angst gehabt, so versucht sich Langer das zu erklären: Wie nach einer Gehirnwäsche hätten alle geglaubt, die Häftlinge seien Kriegsverbrecher. Nur einmal, so erinnerte sich Langer, habe ein etwa vierzehnjähriges Mädchen ihm ein Brot zugesteckt. Bewegend auch das Schicksal von Frau Langer: Drei Jahre haben sie und ihre Familie auf dem engen Dachboden eines polnischen Bauernhauses verbracht, versteckt von einer mutigen polnischen Familie.
"In den 50er Jahren," so beide einhellig, "konnten wir nicht über unsere Erlebnisse sprechen. Man hätte uns für verrückt gehalten. Das ist heute anders." Und auf die Frage der Schülerin Daja Runge, wie es ihnen ginge, heute mit Deutschen zu sprechen, war die Antwort, es habe sich viel geändert. "Sie sind eine andere Generation, Sie setzen sich mit dem Thema auseinander."