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WIR streicht Langenhagen aus dem Namen Drucken E-Mail

Den "Wirtschaftsklub Langenhagen" gibt es nicht mehr. Im Rahmen der Jahreshauptversammlung hat der Verein beschlossen, den Namen in "Der Wirtschaftsklub" zu ändern. Dafür gab es unter den rund 20 Stimmberechtigten, die 26 Firmen vertraten, nur zwei Gegenstimmen. Die kamen von Mike Scheer und Dr. Marc Köhler, beides langjährige stellvertretende Vorsitzende des Klubs.

 

Der Vorstand des Vereins wurde am Dienstagabend ebenfalls neu gewählt. Claus Holtmann bleibt Vorsitzender, Carsten Niemann Stellvertreter und Jörg Kleczka Schatzmeister. Neu im Vorstand ist Uwe Haster als stellvertretender Vorsitzender. Ulrich Seiboth stellte seinen Posten aufgrund hoher beruflicher Belastung zur Verfügung.

Alle Kandidaten wurden einstimmig gewählt. Dass die wichtigste Entscheidung des Abends danach keine verbale Gegenrede erfuhr zeigt, dass der Klub sich verändert hat. Die Streichung des Begriffes Langenhagen aus dem Namen lag schon länger in der Luft. Speziell seit die Gemeinde Wedemark Mitglied des Vereins war und mit ihrem Wirtschaftsförderer Carsten Niemann ein Vorstandsmitglied stellte, interessierten sich zunehmend auch Unternehmen aus den Nachbarkommunen für den Verein. Claus Holtmann als Vorsitzender begründete den Namenswechsel damit, dass die Beschränkung auf Langenhagen im Namen als Ausgrenzungsfaktor erwiesen habe, der neue Handlungsbereich des Klubs umfasse das, was man als Nordregion bezeichnen könne.

Der Wirtschaftsklub wird in diesem Jahr 15 Jahre alt. Aus diesem Anlass sponsort der Verein ein Pferderennen im Rahmen des 6. Renntages auf der Neuen Blut am 11. September.

 

KOMMENTAR:

Der Wirtschaftsklub erlebte zwischen 1996 und 2006 einen rasanten Aufstieg zu einer Vorbildorganisation, die vor allem für die gelungene Mischung aus wirtschaftlichem Netzwerken  und sozialem Engagement bekannt war. Der Wirtschaftsklub Langenhagen hat in dieser Zeit eine neue Geschäftskultur vor sich her getragen, die großen Reiz auch auf Unternehmen von ausserhalb ausübte. Als der Klub seinen 10. Geburtstag feierte, stand er auf dem Höhepunkt seiner Vereinskarriere und war etwas, auf das Langenhagen stolz war. Gern schmückte sich die Stadt mit diesem Klub. Eine der wirtschaftsstärksten Kommunen Niedersachsens - mit einer der erfolgreichsten, sozial vorbildlichen Wirtschaftsorganisationen weit und breit. Eine Kombination, die zueinander passte.

Doch schon 2006 knirschte es zwischen der Langenhagener Politik und dem Klub.

Im 1. Stadtmarketingprozess hatten sich die Führungskräfte des Klubs stark engagiert - die Politik verabschiedete sich im letzten Moment von diesem Weg zur Stadtwerbung und Identifikation. Mit dem Projekt "Do it" gab es fast zeitgleich eine ebenfalls nicht gelungene Kooperation von Klub und Politik.

Die Gemeinde Wedemark hingegen zeigte sich nach der Kommunalwahl mit dem neuen Bürgermeister Tjark Bartels als netzwerkfreudig und interessiert, den Klub einzubeziehen. Verlockende Aussichten für müde Streiter, die von sperrigen politischen Situationen die Nase voll hatten.

Schon vor Jahren gab es erste Anläufe, den Klub zu regionalisieren. Damals, aus einer Position der Stärke heraus, ein guter Zeitpunkt mit der Erweiterung zu liebäugeln. 2008 war das Jahr, in dem der Klub dann an internen hausgemachten Querelen krankte und sich nach einer Konsolidierungsphase 2009 erst langsam davon zu erholen begann. Auf der Strecke geblieben ist ist in diesen Jahren ein besonderer Nimbus, der den Klub umgab. Nach Jahren fast magischer Anziehung durch laufende Erfolgsmeldungen gingen auch die Teilnehmerzahlen am Wirtschaftsfrühstück zurück.

Etwas kleiner und nach aussen viel ruhiger agiert der Klub heute. Ein harter Kern schwört auf die besondere Gemeinschaft - doch viele Mitglieder werden nicht mehr oft gesehen.

Ist in dieser Situation der Weg "raus aus Langenhagen" der Aufbruch zu neuen Ufern, oder, wie andere unken der "Anfang vom Ende"?

Tatsache ist, dass mit der Streichung des Begriffs Langenhagen aus dem Klubnamen eine Ära zuende geht, die der Stadt viel geschenkt hat. Eine Zeit, in der in Langenhagen fast nichts Großes lief ohne "den Klub". Eine Zeit, in der WIR ein Begriff für einen gelungenen Konsens aus Wirtschaft und sozialem Denken bedeutete.

Langenhagen hat keinen Wirtschaftsklub mehr, die Region hat einen weiteren. Sich in der ganzen Nordregion zu etablieren, ohne ins Beliebige zu fallen ist jetzt die Aufgabe des Vorstandes.

Keine leichte Aufgabe, denn eine "Homebase" fehlt dem Klub ohne konkrete regionale Bezeichnung. "Der Wirtschaftsklub" als neuer Vereinsname ist ein hoher Anspruch - er suggeriert auch ein "Nonplusultra", an dem Arbeit gemessen werden könnte.

Wenn es gelingt, kann auch eine wirtschaftlich bessere Zusammenarbeit der Nordkommunen entstehen. Dies ist ein positiver Aspekt der Umbenennung.

Für Langenhagen ist der namentliche Weggang des Klubs trotz seiner heute geringeren Stärke als zu den Glanzzeiten einfach schade.

Bettina Reimann

 




 

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