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PFERDEgeschichten: Ernst-Ludwig Rathlef  E-Mail

 

Langenhagen war in der Vergangenheit Aufenthalts- und Wirkungsort mehrer bedeutender Gelehrter. Robert Kochs Zeit als junger Arzt in der Nervenklinik ist gut belegt. Die Episode, dass Heinrich Hoffmann von Fallersleben wegen politischer Umtriebe aus dem Amt Langenhagen verwiesen wurde, ist eine bekannte Langenhagener Anekdote. Doch gab es noch mehr gelehrte Menschen, die in ihrer Wirkungszeit in Langenhagen Großes vollbracht haben. Ernst-Ludwig Rathlef gehört zu ihnen.

 

 

Die „Geschichte jetztlebender Gelehrter“

Ernst-Ludwig Rathlef war von circa 1740 bis 1744 zweiter Adjunkt des Pastors Uhle in Langenhagen. Rathlef, der später Superintendent in Diepholz wurde, schrieb in seiner Langenhagener Zeit vielbeachtete Werke, die gerade heute wieder eine Renaissance erfahren.

Rathlef stammte aus Nienburg und studierte ab 1727 Theologie an der Universität Helmstedt. In den späten 30er Jahren des 18. Jahrhunderts wirkte er am dritten Bandes des „Jetztlebenden gelehrten Europa“ von Gabriel Wilhelm Goetten mit und setzte ab 1740 die Reihe unter dem Titel „Geschichte jetztlebender Gelehrter“ fort. Während seines Aufenthaltes in Langenhagen entstanden acht Bände dieser Aufzeichnungen über gelehrte Menschen aus deutschen und fernen Landen. Rathlef verfasste Porträtbücher über Menschen, die ihm bedeutend erschienen. Blättert man zum Beispiel im 7. Band, so findet man unter anderem die Geschichte „des Herrn Jakob Elisa Johann Kapitein, eines Mohren und reformirten Predigers in Africa“ oder die „Geschichte des Herrn Johan Jakob Helferich, Professers der Rechte zu Tübingen“.

 

Acht Bände entstanden in Langenhagen

Es ist erstaunlich, wieviel literarische und musische Schaffenskraft im 18. Jahrhundert aus den Pfarrhäusern kam, deren Bewohner in ihren Ämtern die Chance nutzten, sich der Wissenschaft zu widmen.

Im August 1740 beendet Rathlef seinen ersten eigenen Band, „geschrieben zum Langenhagen“. Zum Teil erzählt er die Geschichte Gelehrter aus Schriftstücken, zum Teil aus persönlichen Gesprächen.

Detailreich schildert Rathlef, wie er in den Besitz von Schriften der beschriebenen Gelehrten kam, wie die gebildete Welt auf diese Schriften reagiert hat und schildert auch minutiös die Lebensläufe der Porträtierten. Das liest sich aus heutiger Sicht langatmig, zeugt jedoch von seriöser Recherche. So ist Rathlef bezüglich des Lebens der zahlreichen porträtierten Gelehrten auch heute noch eine interessante Forschungsquelle.

 

Werke sind im aktuellen Nachdruck erhältlich

Was uns zunächst wunderte, dass Rathlefs Werke aktuell als Book on demand im Neudruck erhältlich sind, erscheint in diesem Licht logisch.

Die Amtszeit in Langenhagen, als er nur „Adjunkt“ des Pastors war, kennzeichnet die Lebensphase Rathlefs, in der er die meiste Zeit für literarische Arbeiten fand. So schreibt Nicolai Hieronymi Gundlings 1746 über den Autor: „Weil er aber anno 1745 auch weiter befördert worden; und sich seine ordentliche Amtsgeschäfte vermehret; so hat er ebenfalls die Feder niedergelegt, und die weitere Fortsetzung ermeldter Geschichten einem anderen überlassen.“

 

Fleissiger Autor hatte auch Neider

In seiner Langenhagener Zeit war Rathlef so produktiv, dass er bereits Neider heraufbeschwor. Gundlings, ein preussischer Consistorialrat, beschreibt dies so: „zumaln giftige Zungen bereits anfingen, seinen Fleis mit ihrem Geifer zubeschmeissen“.

Rathlef selber ist als Autor zwar nie ganz vergessen worden, was sich auch darin niederschlägt, dass er in der deutschsprachigen Wikipedia einen Eintrag hat, doch eine Biografie über ihn hat es nie gegeben. Heinrich Döring bemängelt dies 1833 in seinem Werk „Die gelehrten Theologen Deutschlands im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert“. „Mit gründlichen Kenntnissen in den einzelnen Theilen des theologischen Wissens und besonders in der Literärgeschichte ausgerüstet, hätte Rathlef um so mehr verdient, einen Biographen zu finden, als er selbst die Lebensereignisse berühmter Zeitgenossen zu schildern bemüht gewesen war.“, meint Döring. Das Ziel der Porträt-Sammelbände Gelehrter des frühen 18.Jahrhunderts hat Rathlef klar erreicht. In zahllosen Literaturverweisen in vielen verschiedenen Sprachen wird er als Quelle genannt, wenn es um die von ihm porträtierten Gelehrten geht.

Doch sein eigenes Leben liegt im Dunkeln. Ob sich in Langenhagener Kirchenarchiven noch Informationen über das Leben von Rathlef finden - vielleicht sogar Originalschriften?

Die neuen Recherchen zur Stadtgeschichte zeigen immer wieder, dass es über Langenhagen und seine Menschen der Vergangenheit noch viel zu erkunden gibt.

 




 

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