| PFERDEgeschichten: Das Leben im 18. Jahrhundert |
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Wie das Leben in den Orten des Amtes Langenhagen sich zur Mitte des 18. Jahrhunderts gestaltete, kann man auf interessante Art in den „Hannoverischen Gelehrten Anzeigen von allerhand Sachen, deren Bekanntmachung dem gemeinen Wesen nöthig und nützlich“ erfahren, die vom Schlüterschen Verlag herausgegeben wurden. Hier findet man Bekanntmachungen, Suchanzeigen und mehr.
Fundsachen wurden versteigertHeutzutage gehen die Menschen gern zu den Fundsachenversteigerungen im Rathaushof, wenn die Verwaltung dazu einläd. Sind es heute besonders Fahrräder, die angeboten wurden, waren es 1752 Kleidungsstücke, Bücher und Schmuckstücke, die das Amt an den Meistbietenden versteigerte - Fundsachen und Gegegnstände, die von Schuldnern konfisziert wurden. „Zum nächsten Mittewochen, als den 14. Julii, sollen bey hiesigen königl. Amte verschiedene Kleidungsstücke, als alte und neue Hüthe, mit und ohne Trensen, vollständige Kleider, Hemder, Strümpfe, Tücher, Stockbänder, silberne und andere Schnallen, imgleichen einige Kupferstiche und Bücher, eine silberne Tabatiere, zwey spanische Röhre und dergleichen, gegen baare Bezahlung an den Meistbietenden verkauft werden“, können wir lesen. Ob die damaligen öffentlichen Versteigerungen so beliebt waren wie die heutigen im Rathaushof?
Auch Rosshändler hinterließen SchuldenEine sicher tragische Geschichte findet in der Ausgabe der ghelehrten Anzeigen von 1752 mehrfach Niederschlag. Es geht um den Rosshändler Johann Friederich Plinken, der verstorben war und wohl Schulden hinterließ. Zunächst wird aufgerufen, offene Forderungen zu melden. Später im Jahr erfahren wir: „Für weiland hiesigen Roßhändlers, Johann Friederich Plinkens Kinder, ist August Franz Ripp unterm 29. Okt bey hiesigem Amte zum Vormund bestellet, welches allen mit der Witwe Plinken bisher in Rechtsstreit befangenen, auch anderen Plinkischen Gläubigern zur Nachricht dienet.“ Plinken war in Conkurs gegangen, das bezeugt eine Nachricht aus dem September, die von der Verlegung eines „Terminus“ berichtet, der uns an die Gläubigerversammlungen heutiger Insolvenzverfahren erinnert. Ja, Langenhagener Pferdehändler waren zumeist der wohlhabende Teil der Bevölkerung in jenen Zeiten - doch gab es, wie wir hier erkennen, auch Fälle, in denen Rosshändler in Konkurs gingen. Ein ausgesetzter Knabe in altem Tuche Im Dezember 1752 erfahren wir von einem ausgesetzten Kind im Amt Langenhagen. „...ein kleiner Knabe von etwa 4 bis 6 Wochen, welcher in einem alten Tuche ohne Zeichen eingewickelt war“ ist gefunden worden. Nun wird von Amts wegen die Mutter gesucht - und wer sie kennt, „dem wird für solche Anzeige eine hinreichende Belohnung versprochen“. Meist war es die Not, die Mütter dazu trieb, ihre Kinder auszusetzen. Und das ist heute, mehr als 250 Jahre später, wohl nicht anders.
Erben gesucht für einen verstorbenen SoldatenIm März 1752 sucht das Amt Langenhagen nach Erben für einen Soldaten, der „aus Engeland mit anhero gekommen“ war. Heinrich Caspar Buermeister hatte im Amt offensichtlich keine Angehörigen und nun wurde veröffentlicht, dass er ursprünglich aus Halberstadt gekommen sei und man noch auf einen Erben warte, der die nötige Legitimation vorweisen könne. Und auch hier lesen wir eine Bekanntmachung, die es in ähnlicher Form heute noch geben könnte: Erben für kinderlos Verstorbene werden auch heute noch mit Bkeanntmachungen gesucht. Wir lesen in den Anzeigen von entlaufenen Hunden, besonders häufig von entlaufenen Pferden und von Steckbriefen gesuchter Verbrecher. Und es sind tatsächlich die entlaufenen Pferde, die als einzige heute nicht mehr häufig durch die Medien gehen. Alle anderen Geschehnisse und Suchanfragen gibt es auch heute noch, was zeigt, dass sich die grundlegenden menschlichen Verhaltensweisen und Nöte eben nicht geändert haben. Das Jahr 1752 mit den Veröffentlichungen des Amtes kann exemplarisch dafür stehen.
Hoher Einfluss der ersten PrintmedienSammlungen von Bekanntmachungen, Anzeigen und Suchanfragen waren in der Mitte des 18. Jahrhunderts ein wichtiger Bestandteil des „Zeitalters der Aufklärung“. Die „Hannoverischen Gelehrten Anzeigen“ erschienen unter diesem Titel von 1750 bis 1754, danach hießen sie bis 1758 „Hannoversche nützliche Sammlungen“, von 1758 bis 1762 „Hannoversche Beiträge zum Nutzen und Vergnügen“, in der Folge bis 1790 „Hannoversches Magazin“, danach bis 1814 „Neues Hannoversches Magazin“ und ab 1814 wieder „Hannoversches Magazin“. Friedrich Wilhelm Andreae schreibt in seiner 1859 erschienenen „Chronik der residenzstadt Hannover von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart“ diesen Periodika besondere Bedeutung zu: Sie „waren für die intellectuelle, ja selbst moralische Entwicklung der Einwohnerschaft unserer Vaterstadt von besonderer Bedeutung“. Wenn uns auch die Einträge des Jahres 1752 inhaltlich oft an heutige Themen erinnern, muß man sich doch vorstellen: Veröffentlichungen wie die „gelehrten Anzeigen“ waren zu ihrer Zeit eine Neuerung. Zuvor hatten die Menschen kaum Möglichkeiten, wichtige Neuigkeiten in solch gesammelter Form zu erfahren. Ein Quantensprung in der Information der lesenden Bevölkerung!
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