| PFERDEgeschichten: Ein Clavecinist zieht nach Moskau |
|
Schulmeistersöhne mit Musiktalent: Bei unseren Recherchen über A. F. C. Kollmann, einen Engelbosteler, der auszog, in London Musikerkarriere zu machen, begegnete uns ein weiterer Name, dem wir nun nachgeforscht haben: Johann Christian Firnhaber, so erfahren wir, war der Sohn von Kollmanns Patenonkel, dem Langenhagener Schulmeister. Firnhaber, so schreibt Kollmanns Biograph Michael Kassler, sei ebenfalls Komponist gewesen.
Die Spur führt nach Moskau Kassler erwähnt in seinem Buch „A.F.C. Kollmann's Quarterly musical register (1812): an annotated edition with an introduction to his life and works“ aus dem Jahr 2008 Firnhaber nur ein einziges Mal. Doch die Spur ist leicht aufzunehmen, denn Johann Christian Firnhaber wurde im Jahr 2003 von seinem Verwandten Eberhard Firnhaber in einem Essay gewürdigt. Die Spur des Langenhagener Schulmeister-Sohns führt dabei nach Moskau.
Eine Familie mit Musik im Blut Heinrich Nikolaus Christoph Firnhaber (1728-1772), war Kantor, Organist und Schullehrer in Lan- genhagen. Sein Patenkind, wie wir wissen, war A. F. C. Kollmann. Seinem Sohn, der am 14. Oktober 1753 in Langenhagen geboren wurde, lag die Musik im Blut, denn in der Familie findet man bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts Kantoren und Musiker. Als der Vater 1772 stirbt, gehen seine Söhne Johann Christian und Christoph nach Hannover, um dort eine Zeit lang ihr Geld als Klavierlehrer zu verdienen. Dort verlieren sich zunächst die Spuren des jungen Musikers. 1780 taucht er wieder auf - in Moskau!
Ein Musikgeschäft bringt Wohlstand Die ausführlichste Darstellung seines Wirkens in Russland fand Eberhard Firnhaber im Werk ”Annales de la musique et de musiciens en Russie au XVIIIe si`ecle“ des Autors R. A. Mooser. Dort steht über Johan Christian Firnhaber: „...ließ sich 1780 in Moskau nieder und gab schon im folgenden Jahr mehrere Konzerte, in denen er Werke eigener Komposition für Clavecin und Fortepiano sowie Sätze für ”Englisches Klavier“, Flöte, Klarinette und Fagott spielte. Gleichzeitig gab er Clavecin-Stunden. Von 1784 bis 1788 war er Miteigentümer eines Musik- und Instrumentengeschäftes.“
Annoncen in Moskauer Zeitungen Hinweise auf Firnhaber finden sich in Annoncen Moskauer Zeitungen der Zeit, wo er den Druck neuer Kompositionen ankündigt und Subskribenten dafür sucht. Da der Druck von Notenwerken teuer war, ist der Komponist und Geschäftsmann einen damals üblichen Weg gegangen, indem er 1781 ankündigte: ”Hiermit teilt Herr Firnhaber mit, daß die wohlwollende Aufnahme, die Liebhaber seinen ersten Werken bereiteten, ihn anregten, weitere zu ihrem Amüsement zu komponieren. Sie sind schon fer-tig zum Druck, bestehen aus 6 Sonaten mit obligater Violine und Violoncello. Sie werden herauskommen, sobald er genügend Subskribenten zusammenhaben wird, um einen Verlust zu vermeiden.“
Ein Musikgeschäft bringt Wohlstand Warum Firnhaber um 1796 Moskau wieder verließ, konnte auch sein Verwandter Eberhard Firnhaber nicht klären. Er scheint in’s Hannöversche zurückgekehrt zu sein, denn dort ist er in den Adressbüchern der Stadt von 1817 bis 1828 als „Rentenier“ verzeichnet. In der hannoverschen Musikgeschichte hat er keine Spuren hinterlassen - im Gegensatz zu russischen Abhandlungen der Zeit. Doch ist er wohl mit einem auskömmlichen Vermögen aus Russland zurückgekehrt: „Die kaufmännischen Geschäfte in Moskau waren offenbar so gutgegangen, dass Firnhaber aus dem damit erworbenen Vermögen leben konnte“, vermutet Eberhard Firnhaber. 1828 stirbt J. C. Firnhaber - laut Kirchenbucheintrag „als Witwer an Entkräftung“.
Musiker kamen im 18. Jhdt. weit herum Wer im 18. Jahrhundert als Kind eines Organisten und Schulmeisters geboren wurde, hatte gute Bildungschancen - das zeigen die Beispiele Kollmann und Hachmeister aus unserem früheren Beitrag und Johann Christian Firnhaber. In Langenhagen gebürtig, hatten sie die Chance dank guter musikalischer Ausbildung und Talent in die Welt hinauszuziehen und dort ihren Platz zu finden. Auch die Nähe zu Hannover, wo die schulische Ausbildung im Gymnasium fortgeführt werden konnte und ein musikalisch aufgeschlossener Hof Möglichkeiten eröffnete, haben sicher dazu beigetragen. Die unterschiedlichen Karrierewege dieser Männer, die nach London, Hamburg und Moskau führten, stehen in deutlichem Kontrast zum Leben der einfachen Bauern und Handwerker derselben Zeit. Für diese war der Geburtsort zumeist auch das Dorf, in dem man in des Vaters Fußstapfen trat, dessen Beruf erlernte und dort bis zum Tode blieb.
Ein Platz in der Stadtgeschichte? Weder A. F. C. Kollmann, noch sein Onkel Carl Christoph Hachmeister, der Organist an der Hamburger Heilig-Geist-Kirche wurde, noch Firnhaber konnten bisher ihren Platz in der Stadtgeschichte finden. Es bleibt weiteren Nachforschungen überlassen, dem Leben dieser musikalischen und miteinander bekannten sowie verwandten Familien in Langenhagen nachzuspüren und daraus ein lebendiges Bild zu zeichnen - eine schöne Forschungsaufgabe zum 700. Stadtgeburtstag.
|



