| PFERDEgeschichten: Massenmörder Jaspar Hanebuth |
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Der bekannteste Schurke seiner Zeit war Jaspar, (manchmal auch Kaspar) Hanebuth, der 1607 auf der Pinkenburg in Groß-Buchholz geboren wurde - ein Gebiet, das damals zur Amtsvogtei Langenhagen gehörte. Hanebuth hatte, als er 1653 gerädert wurde, 14 Pferdediebstähle und 19 Morde gestanden. Und es war keine der Mordtaten, die ihn zu Fall brachte, sondern einer der Pferdediebstähle.
Aus dem Handbuch des Criminalrechts Im „Handbuch der Literatur des Criminalrechts und dessen philosophischer und medizinischer Hülfswissenschaften“ aus dem Jahr 1838 erfahren wir, dass Pferdediebstahl in früheren Jahrhunderten zu den Kapitalverbrechen gehörte. Eine braunschweig-lüneburgische Verordnung aus dem Jahr 1708 sah dafür den Tod durch den Strang vor. Der Autor berichtet jedoch, dass die „Inquisiten“, die nach Pferdediebstählen verurteilt wurden, regelmäßig Begnadigung fanden und nicht hingerichtet wurden. Doch dass Pferde das begehrteste diebische Handelsgut der Zeit waren, zeigt auch die Geschichte des wohl furchteinflößendsten Gewalttäters, den das Amt Langenhagen hervorbrachte.
Mutiger Mann denunziert Mörder In der „Chronik der Residenzstadt Hannover von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart“ aus dem Jahr 1859 erfahren wir von den Umtrieben des Mannes: „Wer irgend eine Münze im Beutel besaß oder ein gutes Kleidungsstück am Leibe, gerieth in Gefahr, zur Zielscheibe einer Kugel aus Hanebuth's Mordbüchse genommen zu werden, wenn er sich aus dem schützenden Bereiche der Stadtmauern begab. Man vermuthete wohl den Urheber der vielen Mordthaten, welche bald hier, bald dort geschahen, achtete jedoch wenig darauf; Hanebuth durfte seinen blutigen Raub nach der Stadt bringen und ungehindert in Geld umsetzen. Seine Frechheit wuchs von Tage zu Tage; er wurde zu sicher und bereitete sich dadurch den Untergang.“ Als der hannoversche Bürger Medefeld sich weigerte, Hanebuth ein Gespann Pferde für einen Spottpreis zu überlassen, stieß der Schurke Drohungen aus: „Medefeld, morgen um 8 Uhr sollst Du die Pferde nicht mehr besitzen;" Auch bedrohte er das leben der Familie Medefeld. Am nächsten Morgen waren die Pferde tatsächlich fort - und Medefeld befürchtete, dass Hanebuth auch seine 2. Drohung wahrmachen würde. So zeigte er Jaspar Hanebuth an, der am 14. November 1652 verhaftet wurde.
Mörder war auch Klein-Pferdehändler „Fünf Verhöre fanden Statt; schon das zweite begann auf der Folter, das vierte wurde in der Marterkammer vorgenommen...“ erfahren wir aus der hannoverschen Chronik von 1859. Aus den Akten lässt sich schließen, dass Hanebuth seine berufliche Karriere als Soldat begann, jedoch später in die Pinckenburg zurückkehrte. Dort ernährte er sich „indem mein Schwager in Bothfeld und ich manchmal ein Pferd kaufen und es mit geringem Profit wieder losschlagen; ist mit Pferden nichts zu machen, so lebe ich von meiner Hände Arbeit.“ Doch wo die Pferde herkamen, die er verkaufte, erklärt sich aus seinen Taten. Unter der Folter gestand Hanebuth nicht nur den Diebstahl, der ihm zur Last gelegt wurde, sondern insgesamt 14 Pferdediebstähle. Und: „Dann bekannte er aus freiem Antriebe, daß er neunzehn Mordthaten begangen habe.“
Grausiges Geständnis Jaspar Hanebuths Geständnis liest sich grausig. So schildert er laut Akten einen Mord wie folgt: „Als das Lager bei Sarstedt sich befand, schoß ich einen Menschen vom Pferde am Sandberge, hinter den Moorgärten vor Hannover. Seine Beerdigung unterblieb; es lagen ja an verschiedenen Orten unbegrabene Leichen, selbst in den Pfützen vor den Thoren der Stadt Hannover. Das Pferd des Entleibten verkaufte ich hier im Rosenhagenschen Hause.“ Über einen weiteren Fall, der in der Nähe der Pinkenburg stattfand, berichtet der Langenhagener Zeuge Bernhard Tormann: „Als der Reuter vom Hofe ritt, saß ich mit andern Einwohnern des Dorfes vor der Thüre. Gleich darauf wurde auf dem Finger gepfiffen; es fiel ein Schuß, und wir hörten den Reuter stürzen und „anken" (seufzen). Es wagte jedoch niemand, dahin zu gehen.“ Hanebuth selber sagt zu dieser Tat, dass er den Reiter mit anderen Bothfeldern zusammen erschoß, das Pferd an sich nahm und an seinen Bruder verkaufte. In den Mordakten liest man davon, dass viele Bothfelder oft sehr wohl wussten, was Hanebuth trieb - und auch die Herkunft der Pferde kannten, die er verkaufte. Doch es war wohl die Angst um das eigene Leben, die verhinderte, dass der skrupellose Jaspar Hanebuth schon eher gefasst wurde.
Historischer Roman über die Konkubine Jaspar Hanebuth aus dem Amt Langenhagen ist sogar in der neueren Literatur noch Thema: "Die Konkubine des Mörders" heisst ein historischer Roman über sein Leben und das seiner Gefährtin Marie, die zu seinen 19 Mordopfern gehörte. Der Roman von Bettina Szrama ist im Gmeiner-Verlag erschienen und schildert besonders das Kapitel seiner Verhaftung und Verurteilung sehr detailgenau nach den Akten. So hat das Amt Langenhagen also auch einen Massenmörder hervorgebracht, der bis heute Erwähnung findet.
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