| PFERDEgeschichten: Wo rastete der Alte Fritz? |
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Im Buche „Beyträge zu dem neuesten Europäischen Völckerrecht in Fridens-Zeiten“ aus dem Jahr 1778 finden wir einen Eintrag, der neugierig macht: „Als der König die Rückreise vom Rhein nach Berlin thate, nahm er einen Umweg, um Hannover (allwo sich der König in Großbritannien damals befande), nicht paßieren zu müssen, nahme auch die die von letztbesagtem König ihm nach Langenhagen geschickte Relais nicht an; welches dem Könige in Großbritannien empfindlich fiele.“
Wo rastete der „Alte Fritz“? Jener König, dem eine Nachricht nach Langenhagen gesandt wurde, war Friedrich II von Preussen. Datiert ist das Vorkommnis auf 1740. Was war geschehen? Wieso kam der „Alte Fritz“ nach Langenhagen? 1740 wurde Friedrich II König und schrieb den legendären Satz: „Jeder soll nach seiner Facon glücklich werden.“ Was Georg III, Kurfürst von Hannover, König von Großbritannien, getan hatte, um den jungen Preussen zu düpieren, bleibt im Dunklen. Doch die Rast in Langenhagen mag sehr wohl den Grund gehabt haben, dass hier die Pferde gewechselt wurden. Langenhagen war damals schon bekannt für seine Pferdezucht und auch die Preussen machten in ihren Kriegen von Pferden aus Langenhagen Gebrauch. War der Aufenthalt in Langenhagen vielleicht gar zur Aufnahme von Geschäftsbeziehungen gedacht? 1755 liest man in den „Münchner-Zeitungen, von denen Kriegs, Friedens- und Staatsbegebenheiten, inn- und ausser Landes“: unter dem Vermerk „Hannover, den 10. Junii“: „Morgen werden des Königs von Preussen Majest. welche auf der Reise nach Minden begriffen sind, durch den eine Meile von hier gelegenen Ort Langenhagen paßieren.“
Später bestellt der König 150 Pferde Im November desselben Jahres erfährt man davon, dass Preussen Pferde geordert habe: „Am 29. des abgewichenen Monats übernahm der Königlich-Preussische Capitain, Herr von Ligne, zu Langenhagen 150 Remonte-Pferde für die Preussische Cavallerie“. Schon der Vorgänger von Friedrich dem Großen, sein Vater Friedrich Wilhelm I wusste, dass in Langenhagen gute Pferde zu bekommen seien. Hierzu finden wir einen Abschnitt im Buch „Die Remontirung der Preußischen Armee in ihrer historischen Entwickelung und jetzigen Gestaltung als Beitrag zur Geschichte der Preußischen Militär-Verfassung“: ...befahl der König, daß dies Regiment im April 1725 complet sein solle und schon wisse, wo die Pferde zu haben wären, nämlich in Langenhagen, Zelle und Hamburg.“
Die Zusammenhänge zwischen dem Pferdekauf durch die Preussischen Regimenter und die Nennung Langenhagens durch König Friedrich Wilhelm I selbst lassen vermuten, dass der zu Anfang genannte „Umweg“ nicht durch Zufall durch Langenhagen führte.
In Stadtgeschichte nicht verzeichnet Der Ort war im Königreich Preussen bekannt für seine guten Pferde. Ein Aufenthalt eines preussischen Königs in Langenhagen wird in den Stadtannalen jedoch bisher gar nicht verzeichnet. Und darum können wir nur im Reich der Vermutungen bleiben, wo Friedrich II rastete, sodass ihm sogar ein Relais dorthin geschickt werden konnte. Vielleicht im heutigen Zollkrug? Die Inhaberfamilie Eicke war berühmt für ihre Pferde, auch betrieb die Familie bereits einen Ausspann mit Schankwirtschaft im 18. Jahrhundert. Ohne eine sehr kniffelige Recherche in preussischen Archiven, die vielleicht zu 700 Jahre Langenhagen erfolgen kann, werden wir nicht erfahren, wie eng die Beziehungen zwischen Langenhagener Pferdehändlern und dem preussischen König waren und ob es noch mehr Besuche von preussischen Majestäten auf Langenhagener Grund gegeben hat. Doch erfahren wir zumindest, dass die Unstimmigkeit zwischen dem „Alten Fritz“ und dem König von Großbritannien nicht von Dauer war. 1763 meidet er Hannover nicht mehr und lässt sich beim Pferdewechsel offiziell begrüßen.
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