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PFERDEgeschichten: Ein Engelbosteler in London  E-Mail

 

Den Namen "A. F. C. Kollmann" kennt man in Langenhagen nicht. Dass dieser Sohn Engelbostels im 18. Jahrhundert eine steile Karriere als Hoforganist König Georg III von England machte und noch heute  Objekt für musikhistorische Forschung ist,  verblüfft. Die interessante Geschichte dieses Künstlers aus Engelbostel findet man fast ausschließlich in der englischsprachigen Literatur.

 

Ausführlich finden wir sein Leben beschrieben im "new general biographical Dictionary projected and partly arranged by the late Rev. Hugh James Rose" aus dem Jahr 1848.

Die Vornamen des Künstlers sind da längst anglisiert. "Augustus Frederick Christopher" Kollmann  meist aber kurz "A F C Kollmann", wird als "esq." beschrieben. Esquire, ein englischer Höflichkeitstitel, entspricht dem Deutschen "Hochwohlgeboren", eine Formulierung, die auf hohe gesellschaftliche Anerkennung hindeutet.  46 Jahre lang war er Organist an "his Majesty's German Chapel, St. James's-Palace". Sein Werk besteht aus vielen musik-theoretischen Abhandlungen aber auch Kompositionen.

Wie aber kam Kollmann aus Engelbostel nach London? Im Heimatdorf war sein Vater Organist und Schulmeister. Sein Glück war, dass er die Möglichkeit erhielt, gemeinsam mit dem Sohn des Pastors Latein lernen konnte.

So konnte er mit 14 Jahren für zwei Jahre auf das Gymnasium in Hannover gehen. In den folgenden fünf Jahren lernte er bei Johann Christian Böttner in Hannover das Orgelspiel. Böttner begeisterte Kollmann von der Musik Johann Sebastian Bachs. 1779  begann er ein Studium, das ihn zum Schulmeister machen sollte.

1781 nahm er seine erste Stelle als Organist eines Damenstiftes in Lünebürg an.

Doch nicht lange musste er in der Provinz weilen.

 

Organist an der königlichen Kapelle

Im Jahr 1782 wünschte sich der britische Welfenkönig Georg III, dass die hannoversche Regierung einen Organisten und Schulmeister für die königliche deutsche Kapelle entsenden möge. Die Wahl traf auf Kollmann, der seinen Meister Böttner auch während einer Krankheit an der Orgel der hannoverschen Hauptkirche vertreten hatte und daher bekannt war.

London wird zu Kollmanns Heimat. Schon ein Jahr nach seiner Ankunft heiratet er dort. An vier Tagen in der Woche unterrichtet er, spielt bei Gottesdiensten die Orgel, hat aber auch Zeit, eine lange Reihe von Büchern und Essays zu verfassen, die in London in englischer Sprache erscheinen. "An Essay on Musical Harmony" erscheint 1796 in London, bis in die zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts folgen viele weitere Lehrbücher und Abhandlungen, teils rein musiktheoretisch, teils mit praktischen Anleitungen. Wer in der heutigen englischsprachigen Wikipedia musiktheoretische Grundlagen recherchiert, findet nicht selten Verweise auf "A. F. C. Kollmann", dessen Abhandlungen offensichtlich Bedeutung hatten.

 

Australier schreibt 2008 Kollmann-Biographie

Kollmann versuchte, das Werk Johann Sebastian Bachs in England weiteren Kreisen zugänglich zu machen, doch sein Plan, das "Wohltemperierte Klavier" drucken zu lassen, scheitert am mangelnden Interesse von Subskribenten. Doch Kollmanns Rolle in der Verbreitung der Bachschen Musik in England ist unbestritten. In "The English Bach awakening…", einem Buch des australischen Autors Michael Kassler, das 2004 in England erschien, wird dies besonders deutlich. "Kollmann wird oft als der der erste aktive Bach-Apostel in England bezeichnet“, schreibt er. Michael Kassler widmete Kollmanns Leben 2008 auch ein eigenes Buch.

"Damit fällt die Priorität unter den englischen Bach-Aposteln unstreitig AFC Kollmann zu, der mit V. Novello, CF Horn, B. Jacob und R. Stephenson späterhin zum intimen Kreise der von Wesley angeführten Bach-Enthusiasten in England gehören sollte", schreibt auch die "Gesellschaft für Musikforschung" im Jahr 1950.

 

Eigene Kompositionen sind in Vergessenheit

So bedeutend Kollmanns Beitrag zur Musiktheorie in England war:  Seine eigenen Kompositionen sind heute vergessen.

Auch einen musikalischen Sohn hat er, der die Familientradition fortsetzt: In London wird 1789  George Augustus Kollmann geboren, der später den Beruf des Komponisten und Pianisten ausübt.  Später hat der Sohn Klaviere nach eigenem patentierten Design hergestellt.

Als Kollmann 1829 stirbt, ist er so prominent, dass er im "Annual Register" des Jahres 1830, erschienen im Verlag J. Dodsley, einen ausführlichen Nachruf erhält. Und durch die internationale Bach-Forschung in englischen Sprachraum wird auch heute noch häufig seine Bedeutung hervorgehoben.

 

Auch Kollmanns Onkel war Musiker von Rang

Aus seiner Engelbosteler Familie war Kollmann übrigens nicht der erste Musiker, der überregional anerkannt war. Carl Christoph Hachmeister, geboren 1710 in Engelbostel, war ein Onkel A. F. C. Kollmanns. Seine musikalische Karriere machte er als Organist an der Heilig-Geist-Kirche in Hamburg. Von Hachmeister heisst es, dass er autographe Schriften von Johann Sebastian Bach besaß, die über seinen Neffen nach England kamen.

Auch Hachmeister komponierte selbst - wäre es nicht schön, Kompositionen von Hachmeister und Kollmann zu finden und zu versuchen, diese in Langenhagen aufzuführen? Eine späte und spannende Würdigung der vergessenen Künstler aus Engelbostel!

 




 

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