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18. Jahrhundert: Die Kultur der Erdtoffel Drucken E-Mail

Aus dem 18. Jahrhundert erfahren wir viel über das Leben der Vorfahren, denn damals war Carl Gustaf Friedrich Wyneken Amtsschreiber in Langenhagen. Er war nur neun Jahre, von 1746 bis 1754 hier tätig, hinterließ mit seiner Amtsbeschreibung aber eine der umfassendsten Geschichtsquellen. Wir erfahren in seinem Werk, dass eine ganz neue Feldfrucht ihren Einzug hielt in Langenhagen und einen Siegeszug begann, der sie schon bald zu einem Hauptnahrungsmittel werden ließ.

 

Erdtoffeln lindern den Hunger

„Die Kultur der Erdtoffeln und Rüben ist aber nach der Beschaffenheit der Witterung und der Lage des Landes an vielen Ohrten gut eingeschlagen“, lesen wir. Die Kartoffel ist es, die in Langenhagen wie auch in anderen Orten Niedersachsens die Palette der Feldfrüchte bereicherte. Im 19. Jahrhundert wird die ganze Palette dessen, was man aus der Kartoffel machen kann, die Not vieler Bauern erheblich lindern. Den größten Teil des 18. Jahrhunderts galt jedoch noch, was Wyneken schrieb.

 

Der Boden ist sandig, leimig und morastig

Er beschreibt den Boden, den die Bauern in Langenhagen bebauen mußten: „Der Grund und Boden ist durchgehenst sandig, leimig und morastig wegen der niedrigen Lage“. Er hat beschrieben, dass viel Wasser, gerade auch bei nasser Witterung im Winter, die Wege durch Langenhagen „unangenehm als beschwerlich zu durchreisen“ macht. Das Dorf Langenhagen selbst habe eine Größe, daß man „eine Stunde lang in gemäßigtem durchfahren“ brauche.
Zurück zum Ackerbau. „Rocken, Gersten, Haber u. Buchweitzen und Rauh-Haber sind die gemeinsten Producte“ laut Wyneken. Die Einwohner gäben sich nicht viel mit Gartenfrüchten ab, in ihren Gärten sähe man „fast nichts wie kohl gepflanzet“. Dann erfahren wir auch, was der Langenhagener gerne ißt: „Inmaßen der Bauer auf dem platten Lande im Amt Langenhagen alltäglich am liebsten Buchweitzen-Grütze, auch sich von gehacktem mit Grütze durchzogenen Kohl ernähret.“

 

Viehzucht wegen Mangel an guter Weide schlecht

Welch deprimierende Einseitigkeit der Ernährung, und noch nicht einmal Frischobst kommt in größerer Menge dazu, denn Obstbäume würden wenig gezogen und seien auch selten ergiebig. Am ehesten trügen noch Birnbäume Frucht. Und Wynekens traurige Beschreibung der landwirtschaftlichen Gegebenheiten setzt sich fort: Die Viehzucht sei gleichmäßig wegen Mangel an guter Weide schlecht. Die schlechte Viehzucht verursacht dann auch noch Mangel an gutem Dünger. Schon zu Weihnachten müssen im 18. Jahrhundert die meisten Bauern „Brodtkorn“ zukaufen.
Nur die wenigsten Langenhagener könnten vom Ackerbau leben. Doch was tun sie als weiteren Erwerb, um sich zu ernähren? Wyneken beschreibt das Torfmoor als eine Einnahmequelle, auf die ein jeder seinen angewiesenen Platz hat. Den gestochenen Torf können die Einwohner dann verkaufen.
Der Pferdehandel ist eine zweite Erwerbsquelle, die jedoch in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts bereits an Umfang verliert und mit der sich „nur hauptsächlich die Bemitteltsten unter den Einwohnern abgeben, theils wegen der großen erforderlichen Geld-Anlage, theils wegen der mancherley Nachtheile und risico, so dieser Handel unterworfen ist.“


Zwischen Kaltenweide und Engelbostel lauerten die Wölfe

Hauptsächlich in Engelbostel hat man noch einen dritten Erwerbszweig - die „Branntweinbrennerey“. Der Langenhagener schlug sich eben so durch. Richtiggehend durchschlagen mußten sich auch die Dörfler aus dem Nordosten des heutigen Stadtgebietes, wenn sie zur Kirche wollten. Die Kaltenweider, Wagenzeller und Altenhorster gehörten zum Kirchspiel Engelbostel, und den Weg zur Kirche ging man, wenn man nicht zu den Reichen gehörte, zu Fuß. „Wir müssen des Morgens um 8 Uhr, wenn wir den Gottesdienst von Anfang beywohnen wollen, schon zu Engelbostel seyn. Einige Stunden müssen wir bey schlimmer und rauher Winterszeit auf den Weg zubringen, mithin schon viele Stunden vor Tages-Zeit aus unseren Orthe ausgehen; Kommen wir in die Kirche, so sind wir von den schlimmen und langen Wege gantz ermüdet und erkältet und unsere armen kleinen Kinder fast todtgefroren.“
Gegen 14 Uhr erst waren die Kaltenweider von der Kirche wieder zuhause. Die Umpfarrung nach Langenhagen zog sich trotzdem hin, erst ein trauriges Ereignis machte Dampf: „Anno 1757 ist die Bauernschaft Kaltenweide, die sonst zu Engelbostel eingepfarrt war, mit der Gemeinde Langenhagen vereinigt worden, weil auf dem Wege nach Engelbostel eine Konfirmandin von einem Wolf zerrissen sein soll.“
So ganz nebenbei erfahren wir hier auch noch, daß es in Langenhagen damals Wölfe gab. Schulen gab es auf Langenhagener Gebiet damals schon mehr als Kirchen, denn außer Langenhagen und Engelbostel werden auch Godshorn und Brink schon im 17. Jahrhundert als Schulorte genannt. Die Bevölkerung im heutigen Stadtgebiet Langenhagen betrug zum ausgehenden 18. Jahrhundert circa 1855 Einwohner - verglichen mit circa 1.500 Einwohnern im Jahr 1594 und gerechneten 1794 Einwohnern 1689 stagnierte die Zahl durch die Jahrhunderte fast. Erst das 19. Jahrhundert wird uns deutliche Zuwächse zeigen.

 

Aus: Jahrtausendchronik, Sonderheft des Stadtmagazin-Verlages, 29. 12. 1999




 

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