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17. Jahrhundert: Hexenverbrennung Drucken E-Mail

Noch im 16. Jahrhundert, 1587, wird in Langenhagen ein Mann geboren, der als erster Abkömmling des Dorfes eine große Gelehrtenkarriere in der Ferne machen kann.  Johannes Stucke, ein Bauernsohn, besuchte die Lateinschule in Hannover, studierte dann die Rechte in Helmstedt und promovierte später in Orleans. An das Hofgericht Wolfenbüttel wurde er 1613 gerufen, lehrte zudem an der Universität Helmstedt 23 Jahre lang. 1636 wird er als Kanzler nach Hannover berufen, von 1949 an ist er in seinen letzten Lebensjahren Kanzler der Herzogtümer Bremen und Verden im Dienste Schwedens.

Wegen seiner Verdienste wurde sein väterlicher Hof in Langenhagen vom amtierenden Herzog 1629 zum Freihof erklärt. Die damit verbundenen Privilegien brachten den Stuckes im Dorf allerdings Ärger ein. Die anderen Bauern forderten, daß auch Stuckes sich an den Kriegslasten beteiligten. Der 30jährige Krieg war auch über Langenhagen hereingebrochen. Soldaten mussten einquartiert und verpflegt werden, so zum Beispiel nach wiederholten Besetzungen durch gegnerische Kaiserliche unter Tilly die verbündeten welfischen und schwedischen Truppen.

 

Landsknechte verwüsten - Blattern raffen dahin

Die Tillyschen Landsknechte hatten zuvor im Jahr 1629 die Registratur der Vogtei und die Kirchenbücher vernichtet, die Dörfer gebrandschatzt. Den Menschen ging es schlecht. Wiederholt mussten sie in den Wald und die Moore flüchten, um zu überleben. Hofstellen wurden entvölkert und verwüstet. Dazu kamen die Blattern und eine andere Krankheit ‘fast als ein Durchlauf und Blutgang’, durch die viele Einwohner starben, unter anderem auch der Vogt Heinrich Clave. Heinrich Julius Schrader, der die Vogtei in den folgenden harten Jahren verwaltete, dachte trotzdem an die Pracht der Langenhagener Kirche und ließ von Jeremias Sutel den Taufstein erschaffen (siehe Foto), der heute das älteste Wertstück der Elisabethkirche darstellt.

 

Alheit Snur bezaubert einen Mann ud wird verbrannt

Doch die Kirchen brachten in jenen Zeiten nicht nur Gutes über die Menschen. Auch in Langenhagen wurden Hexen verfolgt und verbrannt.
Eine alte Zauberinne’ namens Alheit Snur soll einen Mann, dessen Kinderwärterin sie war, bezaubert haben. Worin die Bezauberung bestand, erfahren wir nicht, wohl aber, wie sie umkam. Nachdem sie die ‘Wasserprobe’ lebend überstanden hatte (wer unterging und ertrank war keine Hexe und bekam ein christliches Begräbnis, wer schwimmen konnte, war eine Hexe und wurde verbrannt), wurde sie mit einem Strick an eine Leiter gebunden und ins Feuer geworfen. Als zweites erwischt es eine Frau namens Anna Maria, die Schülerin der Alheit gewesen war.

 

19-facher Mörder Jasper Hanebut geht ohne Reue in den Tod

Seit 1626 war Langenhagen Standort für das Ober- und Halsgericht, es wurde hingerichtet im Amt Langenhagen. So  fand auch  ein ganz berüchtigter Verbrecher der Gegend am 4. Februar 1653 sein Ende in Langenhagen: Jasper Hanebut, der 19 Mordtaten und 10 Diebstähle begangen hatte,  ging ohne Reue und Buße in den Tod, obwohl ihn ‘die Herren Prediger’ vor der Hinrichtung den Katechismus lehren wollten. Ein ‘roher wilder Mensch’ eben - der gefürchtetste Wegelagerer seiner Zeit. Die Richtstätte mit Galgen, Rad und Pfahl befand sich westlich des Vogthofes etwa zwischen heutiger Imhoffstraße und Martin-Luther-Straße. Im 17. Jahrhundert waren es aber auch die Märkte, die in Langenhagen ganz groß in Mode kamen. 1618 wurde urkundlich das Marktrecht verliehen.

 

Die Märkte bringen Wohlstand in die Stadt

Zweimal jährlich wurden von da an zweitägige Vieh- und Kramermärkte abgehalten. Hinzu kamen bald die halbtägigen Pferdemärkte, die auf einem Platz durchgeführt wurden, der sich südlich von der heutigen Straße ‘Am Pferdemarkt’ die heutige Walsroder Straße entlangzog. Über den Reuterdamm (=Reiterdamm) wurden die Pferde aus dem Amt Burgwedel zum Markt gebracht. Die Pferdezucht wurde rasch ein einträgliches Geschäft für die Langenhagener, die ja bisher mit ihren kargen moorigen Böden nicht viel ernten konnten und darum oft Not litten. Die Situation besserte sich für jene, die Pferde züchteten, merklich. Nachgeborene Bauernsöhne zogen Jahr für Jahr als Koppelknechte nach Norden bis an die Ostsee und nach Süden bis zu den Alpen und verkauften die Pferde, die besonders bei den Reiterregimentern der Truppen geschätzt wurde. Dieser Erwerbszweig, der im 17. Jahrhundert aufkam, brachte Wohlstand auch das ganze 18. Jahrhundert durch.

 

Postkutschen und Krüge

Im 17. Jahrhundert fuhren auch regelmäßig die Postkutschen durch Langenhagen. Langenhagen wird schon um 1520 in einem Schriftstück als Durchgangsort für den Botenverkehr genannt. Ein weiteren Bevölkerungskreisen zugänglicher Postdienst entstand jedoch erst  zwischen 1635 und 1641, als Herzog Georg im Fürstentum Calenberg residierte. Ein ‘geringes Posthaus’ wird 1643 auf einem Angerplatz vor Hannover an der Heeresstraße nach Langenhagen eingerichtet.
Noch gar nichts zu berichten wussten wir bis in das 17. Jahrhundert hinein davon, ob es bereits gastliche Stätten gab, in denen Gerstensaft ausgeschenkt wurde.
Im Erbregister der Amtsvogtei von 1612 erfahren wir endlich etwas darüber: Es gibt ‘Krüge’ und gar nicht so wenige auf dem Gebiet der Vogtei. So hat im Dorf Göddershorn der Untervogt Henrich Everß das Krügen. In Engelbostel ist es Conrad Johan Löding, der das Krügen hat, das er von Jobst Kelle, einem ‘vor Braunschweich lahmgeschossenen’ Soldaten übernahm. Es sind noch mehr ‘Krüger’ zu finden. So wissen wir denn also, daß die Gastlichkeit beim gepflegten Getränk in Langenhagen keine Entwicklung der neuen Zeit ist - auch im 17. Jahrhundert gab es sie schon urkundlich gesichert.

 

Aus: Jahrtausendchronik, Sonderheft des Stadtmagazin-Verlages, 29. 12. 1999

 




 

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