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16. Jahrhundert: Aus dem Türckenregister Drucken E-Mail

Mit dem Musterungsverzeichnis von 1514 liegt die älteste, wenn auch lückenhafte Quelle vor. Ein ‘Türckenregister’ von 1557, ein Verzeichnis der Schafe von 1582, Einwohnerverzeichnisse von 1586 und 1594 sowie eine Personen- und Landbeschreibung von 1599 sorgen dafür, dass wir bereits aus dem 16. Jahrhundert reiche Informationen haben.

 

Baumgarte, Sievers und Hanebuth waren schon da

Es waren natürlich nur die Männer, deren Namen aufgezeichnet wurden - aber vor allem in bezug auf die Familiennamen, die in der Region schon früh zu finden waren, sind die Aufzeichnungen interessant. Wer heute beispielsweise Baumgarte, Sievers oder Hanebuth heißt, vielleicht auch Engelke, Gosewisch oder Stuke, der hat möglicherweise Vorfahren, die schon im Türckenregister standen. Das Register zeichnet jene Männer im Gericht Calenberg auf, die ‘Türkensteuer’ entrichten mußten, damit Geld für die Verteidigung des Landes gegen die voranstürmenden Türken gesammelt würde.
Hinter den Namen der Männer ist immer die Zahl der zum Haushalt gehörenden Personen zu finden. Die erste ungefähre ‘Volkszählung’ der heute zu Langenhagen gehörenden Orte ist damit möglich. ‘Thom Brincke’, also in Brink wohnten  laut Verzeichnis 77 Personen, in Langenhagen 226 Personen, in Engelbostel 108 Personen, in Twenge 12, in ‘Coldenweige’ 51 und in Gotterßhorn 94 Personen. Schulenburg mit 30, Ewershorst mit 8 , Hainhaus mit 25 und Wagenzelle mit 47 Personen kommen hinzu. Dann gab es auch noch ein paar Arme in der Vogtei Lauenrode, die extra genannt werden.  So wohnt zum Beispiel in Engelbostel ‘bi dem Kerkhern ein arm alt und kranck fruw’.  Und bei Hinrich Sluter in Langenhagen wird ein ‘moderloß megdeken umb gotswillen underholen’. Das zeigt uns, daß jene, die nicht selbst für sich sorgen konnten, auch im 16. Jahrhundert eine Chance auf ‘Sozialhilfe’ hatten, denn es gab Menschen, die sich bereiterklärten, für Schwächere zu sorgen.

 

Christoph vom Hauß entführt Vogt Lorleberg

Dass die Langenhagener ein mutiges Völkchen waren, beweist eine Geschichte aus dem Jahr 1541: Der Junker Christoph vom Hauß hatte Landstreitigkeiten mit dem Herzog Erich von Calenberg. In der Folge durchstreifte er mit seinen Mannen das Land und richtete Schaden an.
Auch Entführungen standen bei ihm an. eines Tages kam er mit 300 Männern zu Pferd auf den Vogthof nach Langenhagen, richtete Zerstörung an, raubte vieles und entführte schließlich den Vogt Heinrich Lorleberg. „Aber die Leute zum Langenhagen schlugen den Kirchthurm, der von dem Feinde verstopfet war, mit Gewalt auf, machten einen Glockenschlag und eilten dem Feinde nach ins Land Lüneburg.“ Obwohl sich die Bösewichte in drei Haufen teilten, um die Verfolger zu verwirren, gaben die Langenhagener nicht auf. Sie machten Gefangene in dem Haufen, den sie verfolgten, die gegen ihren Vogt eingetauscht wurden. Heinrich Lorleberg kam dank seiner mutigen Langenhagener frei.

 

Elisabeth von Calenberg schenkt dem Pastor Einkünfte

In seine Amtszeit als Vogt fiel auch die Schenkung der Herzogin Elisabeth von Calenberg an die Langenhagener Kirche, die ihr mit großer Verspätung (seit 1958) die Namenspatronschaft eintrug. Um 1540 wurde die Reformation in den beiden alten Kirchen Engelbostel und Langenhagen eingeführt. Von der Langenhagener Kirche wird 1544 geschrieben, sie sei ‘so geringe und unvermögend, dass sich schwerlich ein Pastor daselbst erhalten kann’. Zwei Jahre später erhält die Kirche von Elisabeth einen Schenkungsbrief, der dem Pastor die Einkünfte aus einem Meierhof in Ricklingen zusichert. Heinrich Flügge, der erste lutherische Prediger in Langenhagen, konnte fortan besser leben. Sein Nachfolger, Johannes Holste, war ein langlebiger Mensch, und so waren es 65 Jahre Amtszeit, die er in Langenhagen zubrachte.
In seine Amtszeit fällt die Gründung der ersten Langenhagener Schule, die 1584 urkundliche Erwähnung als ‘Schola Langenhagensis’ findet. Es ist sogar ein Stundenplan aus diesem Jahr überliefert, der uns staunen läßt: Latein und Griechisch ward den Dorfkindern gelehrt - zum besseren Verständnis und zur Bibelauslegung. . Dass die geistliche christliche Bildung im Vordergrund stand, wird deutlich, denn mit der Bibellesung fing jeder Schultag an. Von 6 bis 7 Uhr ging die erste Stunde. Später am Tag wurden unter anderem die ‘Syntax des Philippus’ und die ‘Prosodie des Murmelius’ gelehrt. Auch Musik stand auf dem Stundenplan. Johannes Holste als Pastor war auch der Lehrer der Kinder.
Ob deren Eltern wohl Gefallen daran fanden, die Kinder in die Schule zu schicken? Es wird Überzeugungsarbeit gekostet haben, denn auf den Höfen gab es jede Menge Arbeit, und es war selbstverständlich, daß die Kinder mit anpackten.

 

Reicher Meier, armer Häusling

Aus dem Jahr 1594 ist ein Untertanenverzeichnis überliefert, das Aufschluß darüber gibt, was die Menschen auf dem Langenhagen anbauten.
Roggen, Gerste und Hafer werden gesät und geerntet, auch Heu kommt von den Wiesen für die Tiere. Schafe gab es, Hühner und Pferde. In den Aufzeichnungen, wovon der Zehnte gegeben werden muß , können wir sehen, daß es auch Rinder, Schweine und Gänse gab sowie die Bienenzucht. Die Bauern waren in Klassen nach Umfang der Ländereien, die sie bewirtschafteten, eingeteilt.
Die Meier waren die größeren Bauern mit 30 bis 40 Morgen Land, die Halbmeier oder Halbspänner mit 20 bis 30 Morgen. Die Landmenge der Kötter lag darunter. Hinzu kamen Häusler oder Häuslinge, die ohne Besitz und eigene Feuerstelle waren. Alle Dorfbewohner konnten gemeinsam Weide, Wald und Moor in der Gemarkung nutzen. Aus dem Untertanenverzeichnis erfahren wir, dass große Unterschiede im Wohlstand zwischen den Langenhagenern im ausklingenden 16. Jahrhundert bestanden - es hat wohl keine Zeit gegeben, in der das nicht so war. 
So können wir zum Beispiel von Borgkhardt Bister, einem Meier aus Engelbostel, lesen, dass er seine Ländereien mit 9 Malter allerlei Frucht besät und von seinen Erbwiesen fünf Fuder Heu erntet. Jasper Bodestaff und Steffen Schmedes hingegen sind arme Hirten im selben Dorf. In Godshorn gibt es einen Scheunehanß , der arm ist und in einer Scheune wohnt. Und wir lesen von  persönlichen Tragödien vergangener Tage, wenn geschildert steht, daß Curdt Hanß ein armer Kötter sei, dem ‘anno 90 alle seine Güterlein im Feuer jämmerlich umkamen’.

 

Todesstrafe für das Baumfällen

Doch auch für die Wohlhabenderen unter den Langenhagenern im 16. Jahrhundert war es kein leichtes Leben, denn der Boden war nicht gut. Und wie wertvoll Bäume waren, die Frucht tragen, kann man aus einem Urteil ersehen, das in einer Chronik aus dem 18. Jahrhundert zitiert wird, in der man eine alte Quelle von 1540 besaß, die heute nicht mehr vorliegt: Darin steht, dass einem, der einem Eichbaum oder anderen fruchtbaren Baum schadet, beim Nabel der Bauch aufgeschnitten wird, und seine Eingeweide werden um den Baum gebunden. So gesprochen bei einem Häger-Gericht im 16. Jahrhundert.

 

Aus: Jahrtausendchronik, Sonderheft des Stadtmagazin-Verlages, 29. 12. 1999

 




 

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