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Bis zum 15. Jahrhundert: Nova Indago im Lauenwald Drucken E-Mail

Sie hatten wahrscheinlich Waldschmieden, und ihr Beruf war die Eisenverhüttung aus Raseneisenstein. Über die Langenhagener, die sich zum Beginn des Jahrtausends auf dem heutigen Stadtgebiet befanden, ist wenig bekannt. Verhüttungsanfänge schon in vorchristlicher Zeit werden vermutet. Das heutige Stadtgebiet war damals allerdings keine leere Brachfläche. Was Langenhagen heute überhaupt nicht mehr vermuten läßt:  Ein breiter Waldgürtel, der Lauenwald, bedeckte das Land.

Die Waldschmiede waren wohl die ersten, die den Wald dezimierten, denn sie verwendeten für ihre Schmiedetätigkeit Holzkohle aus den heimischen Wäldern in großen Mengen. Ein Verbot der Waldverkohlung ist es vermutlich auch gewesen, daß um die Mitte des 15. Jahrhunderts den Schmieden ein Ende setzte. In einer Beschreibung aus der Mitte des 17. Jahrhunderts wird dies als Grund für das Ende der Tätigkeiten 200 Jahre zuvor angegeben.

 


Das alte Hendelingeburstalde

Früh von Bedeutung war auf jeden Fall Engelbostel, das Haupt- und Gerichtsort einer alten Go war. Es wird in alten Urkunden schon gesichert Ende des 12. Jahrhunderts als ‘Hendelingeburstelle’ erwähnt, und die älteste bekannte Namensform läßt auf eine Gründung vor dem Jahr 1000 schließen. Auch die älteste Kirche des heutigen Stadtgebietes hat es im 12. Jahrhundert in Engelbostel gegeben, aus dieser frühen Zeit sind jedoch keine Spuren mehr in der heutigen Martinkirche zu finden.
Während man in Engelbostel also schon zum Beispiel beim ‘Holthing’, dem Holzgericht, saß, begannen ein Stück weiter westlich wohl im 13. Jahrhundert Rodungen im Lauenwald, um ein Siedlungsgebiet zu schaffen, das von Hecke oder Strauchwerk eingehegt wurde. Der ‘Hagen’ entstand und weil es ein neuer Siedlungsort war, ward er ‘Neuer Hagen’ genannt. Auf lateinisch heißt das ‘nova indago’, und unter diesem Namen findet sich im Jahr 1312 die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes, das später Langenhagen genannt werden sollte. Im Bürgerbuch von Hannover findet sich als ‘erster Langenhagener’ Winandus de Wagenzelle im Jahr 1225. Viele weitere Herren, die den Namenszusatz ‘de Haghen’ oder ‘de Indagine’ als Herkunftsbezeichnung tragen, folgen im Laufe des 13. Jahrhunderts.

 


Die ganze Landschaft ist verwüstet...

Die Grafen von Roden waren auf diesem Territorialherren, sie beherrschten den Marstemgau, der sich vom Deister bis zu den Mooren nördlich Langenhagens und ost-westlich vom Steinhuder Meer bis zur Leine-Wietze-Niederung ausbreitete. Als sie im Laufe des 12. Jahrhunderts begannen, den unwirtlichen nördlichen Teil des Gaus zu erschließen, mussten sich die neuen Einwohner mit unwirtlichen Lebensbedingungen begnügen, denn die Böden waren schlecht. Was wohl die Waldschmiede gedacht haben über ihre neuen Nachbarn, die durch Roden’sche Bemühungen auf den ‘nien hagen’ zogen?
Und ob wohl alle zusammen gelitten haben unter dem Zwist, den die Grafen von Roden mit dem Bischof von Minden hatten? Kaiser Friedrich II forderte 1226 beide auf, ihren Zwist beizulegen, ‘denn fast die ganze Landschaft ist verwüstet, und Arme, Witwen und Waisen leiden besonders’.

 


1371 wird Langenhagen Vogteisitz

Für die Anwohner im neuen Dorf Nienhagen verbesserten sich die Zustände sicher, als schon im 14. Jahrhundert die Verwaltung der Vogtei Lauenrode auf den fürstlichen Hof zu Nienhagen verlegt wurde. Damit begann nach 1371 die Zeit der Vogtei Langenhagen. Der erste Vogt, der namentlich bekannt ist, hieß Hermann Schild und hatte das Amt von 1414 bis 1427 inne. Etwa 100 Meter südlich der heutigen Elisabethkirche war sein Amtshof am Weg, der die Siedlung durchzog. Der Vogthof war nicht größer als die anderen verzeichneten Höfe. Noch ein Stückchen weiter südlich wird schon um 1240 ein adeliger Hof vermutet, denn ‘nobiles de indagine’ tauchen zu dieser Zeit in Schriften auf.
Es war aber auch weiterhin ein rauhes Leben für alle auf dem Nienhagen, der gerodete Waldboden gab wenig her, war mit Raseneisenstein durchzogen. Quellen, wieviele Menschen bis zum Ende des 15. Jahrhunderts in den neuen Siedlungen im Lauenwald wohnten, haben wir nicht.
Doch mit den Vögten kamen auch jene nach Langenhagen, die begannen, gezielte Aufzeichnungen zu machen.

 

Aus: Jahrtausendchronik, Sonderheft des Stadtmagazin-Verlages, 29. 12. 1999

 




 

Der neue Waldkater

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