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Der bunte neue Rat Drucken E-Mail

Es wird bunt auf den Oppositionsbänken in Langenhagen: Drei Männer von der BBL, nur noch ein FDP-Ratsmitglied, nach der vorläufigen Sitzverteilung durch den Landeswahlleiter doch keine Linke - aber nur noch 14 CDU-Mitglieder tummeln sich im Rat.

Unseren Film mit O-Tönen aus dem Rathaus gibt es hier

Bürgerfragestundler jetzt Ratsmitglieder - CDU verliert überdurchschnittlich

Mit der BBL sind drei unabhängige Männer in den Rat eingezogen, die sich bisher besonders als Verwaltungs- und Bürgermeisterkritiker einen Namen gemacht haben. Woher haben sie ihr erstaunliches Wahlergebnis von 7,4 % bezogen? Hier wird die CDU sicher noch intern diskutieren, denn ihre 6,2 % Verluste gegenüber 2006 bedürfen Erklärungen. Klar, da war dieser miese Bundestrend... doch regionsweit hat die CDU nur 3,2 % eingebüßt.

Fast doppelt so hohe Einbußen wie in der Gesamtregion - da müssen also auch hausgemachte Gründe ursächlich sein.

So wurden die Männer von der BBL in den vergangenen Jahren nach Meinung vieler aus der politischen Szene, „von der CDU erst groß gemacht“, durch Akzeptanz der Ansichten und durch Einbindung in Projekte als positive Bereicherung dargestellt. Und die hausgemachte Konkurrenz wurde darum vielleicht zur Heimat der Wähler des „bürgerlichen Lagers“, die mit der Bundesregierung unzufrieden sind. Wären die Stimmverluste der CDU nicht so groß gewesen ohne die neue Konkurrenz, die eher dem bürgerlichen Lager zugerechnet wird?

Und hätte die FDP, die in Langenhagen oft als querdenkend und kritisch angesehen wurde, so stark Stimmen eingebüßt ohne die BBL als neues Sammelbecken für Verwaltungskritiker?

Kontroverse Diskussionen zu erwarten

So hat sich durch das Auftreten der BBL nicht etwa ein Teil der Unzufriedenen und Nichtwähler berufen gefühlt, doch einmal den Weg zur Wahl zu wagen. Im Gegenteil hat sich dadurch die Opposition nur weiter aufgesplittert.

Und weil die Männer von der BBL, Wilhelm Behrens, Dr. Jens Mommsen und Werner Knabe, als unbequeme Streiter in ihren Themen gelten, wird die Diskussion im Rat sicher deutlich kontroverser, auch wenn sich nichts an den Mehrheitsverhältnissen ändert.

Und die Bürgerfragestunden werden dafür kürzer und ruhiger - denn dort waren Mommsen und Behrens die häufigsten Frager in den letzten Jahren.

 

Die Grünen im Höhenflug

Die Grünen haben auch nach eigener Aussage vom Bundestrend profitiert bei der Erhöhung ihres Wahlergebnisses von 10,2 auf 15,4 %. Sie sind die einzige bisher im Rat vertretene Partei, die Stimmen zulegen konnte. Bei der Wählerwanderung könnte man eine Fluktuation von SPD zu Grünen vermuten - doch reichen die 3,7 % Stimmverluste der SPD nicht aus, um den Zuwachs der Grünen zu erklären. Auch für das „bürgerliche Lager«“ ist Grün mittlerweile gut wählbar - auch die Langenhagener Grünen strahlen moderate Bürgerlichkeit aus. Und so wird es auch Wählerwanderungen von FDP und CDU zu den Grünen gegeben haben.

Mit sieben Mandaten können die Grünen innerhalb von Rot-Grün jetzt stärker auftrumpfen - und sollten dies auch tun. Grüne Politik war in den vergangenen fünf Jahren in Langenhagen nicht so erkennbar, wie man es vielleicht erwartet hätte. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dies ändert, ist groß.

 

Solides Ergebnis der SPD - deutlich stärkste Partei

Es ist die Wahl, bei der die kleinen Parteien deutlich stärker im Fokus der Ereignisse stehen als die beiden großen Parteien. Darüber darf man aber die Wahlsieger nicht vergessen. Die SPD nimmt zwar Verluste hin - liefert aber ein solides Ergebnis mit dem einzigen Stimmanteil über 40% in Langenhagen. Sie vergrößert den Abstand zur CDU von 5,4 auf 7,9 % und liefert ein Ergebnis, das über dem Regionsdurchschnitt liegt.

Die mit Abstand populärsten PolitikerInnen Langnehagens gehören der SPD an.

Trotzdem ist es kein Ergebnis auf dem man sich ausruhen kann. Stimmverluste sind immer ein Zeichen dafür, dass man seine Politik überdenken oder eben dem Bürger, der Bürgerin besser erklären muß.

Die Freude der Sozialdemokraten am Wahlergebnis trübte das jedoch nicht.

 

 

Die Linke: 1 Prozent - und doch ein Mandat?

Erstaunen löste am späten Sonntagabend die Aussage des Bürgermeisters aus, dass die Linke mit ihrer Kandidatin Brigitta Runge möglicherweise ein Mandat erhält, obwohl stadtweit nur 1 Prozent der Stimmen auf ihre Partei entfielen. Die Linke trat nur in zwei Wahlbereichen an. Brigitta Runge erhielt in ihrem Wahlbereich, zusammen mit den Parteilistenstimmen, 2,4 %. Die Region zeigte jedoch in der Nacht die Linke nicht mit einem Mandat an. Also doch keine 6. Gruppierung im Rat.


Und was bedeutet das alles für Langenhagen?

Auf den ersten Blick wirkt der bunte neue Rat spannend - auf den 2. Blick muß die geradezu "wilde Mischung" aus potentiellen Oppositionellen jedoch keine politische Änderung für Langenhagen bedeuten. Zu entspannt ist dafür die Mehrheit aus Rot und Grün. 56% der Wählerinnen und Wähler stehen hinter dieser Konstellation. Für die Opposition aus nunmehr wahrscheinlich vier Parteien und Gruppen bedeutet dies aber auch: Die deutliche Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger ist zufrieden mit der Leistung von Rot-Grün. Für die Opposition gilt die Frage: Wer schafft es in den nächsten Jahren am besten, sich dagegen zu profilieren, der Bevölkerung die eigene kritische Position klarzumachen?

 

Bettina Reimann

 



 




 

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