| Listenputsch lohnt nicht |
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Bei genauer Durchsicht der Kommunalwahlergebnisse ist noch eine Auffälligkeit augenfällig geworden: Listenputsch lohnt sich nicht. An drei Beispielen kann man sehen, dass Kandidaten, die populären Politikern oder Politikerinnen zugunsten der eigenen Karriere den Platz streitig machen wollen, dabei baden gehen. Dr. Nils Tilsen aus Hannover hat im Regions-Wahlkreis 10 vermutlich seine politische Karriere beendet, bevor sie beginnen konnte. Als Hannoveraner putschte er bei der Listenaufstellung für den Wahlkreis den erfahrenen und beliebten Regionsabgeordneten aus Langenhagen, Prof. Herbert Hotje, von Platz 1. Der Wahlkreis 10, mit den FDP-starken Speckgürtelgemeinden Isernhagen und Burgwedel, galt für den ehrgeizigen Arzt wohl als "sicheres Gebiet". Und die Parteispitze wollte den hannoveraner gerne noch "gut unterbringen". Aber: Die Anliegen des Wahlkreises in der Region vertreten - ohne dort zu wohnen oder sich gut auszukennen? Die FDP hat von ihren mageren drei Regionssitzen tatsächlich einen in Wahlkreis 10 gewonnen. Doch bekam ihn der Listenputscher auf Platz 1? Nein, die Listenkandidatin auf Platz 2, im Wahlkreis beheimatet, zog aufgrund der deutlich besseren persönlichen Stimmen ins Regionsparlament.
Wer nach einem Kandidaten-Putsch nicht durch Wahlerfolg die Richtigkeit der Entscheidung untermauern kann, ist normalerweise politisch erledigt. Wir erinnern uns an Sebastian Lechner, den jungen Mann, der, ebenfalls ausserhalb des Bundestagswahlkreises beheimatet, die ausserordentlich beliebte Abgeordnete Monika Brüning ersetzen sollte. Hier galt die niedersächsische Parteispitze sogar als Mitregisseur des Putsches in der Nominierungsversammlung. Lechner verlor den Wahlkreis, bekam kein Mandat - und nach ihm kräht kein Hahn mehr.
Nun ist der Bundestag ein Berufspolitikerposten, die Region gilt als Sprungbrett - also durchaus Positionen, um die man sich reissen kann. Die Freizeit im Rat der Stadt zu verbringen gilt hingegen nicht wirklich als Hauptgewinn. Trotzdem gab es auch bei der Gemeindewahl in Langenhagen einen spektakulären Listenputsch, der Medienaufmerksamkeit erregte. Im Wahlbereich 5 beanspruchte, unerwartet für die Mitglieder aus Engelbostel und Schulenburg, Ulrich Müller den Listenplatz 3 für sich. Bisher war es stets so, dass auf den ersten drei Plätzen je ein Kandidat oder eine Kandidatin aus den drei Ortsteilen aufgestellt wurde. Wer nichts Böses ahnt, karrt keine Anhänger zu einer Nominierungsversammlung - und gerät leicht ins Hintertreffen gegenüber jenen, die geplant mit großer Entourage kommen, um sich überraschend in Szene zu setzen. Das war bei Hotje und Brüning nicht anders als beim Schulenburger Lutz Döpke, der nicht ahnte, dass sein Listenplatz umkämpft sein würde. Müller eroberte den Platz mit seinen Gefolgsleuten. Und brachte Engelbostel und Schulenburg gegen sich auf. Lutz Döpke hingegen gab nur vordergründig auf - und verbannte sich freiwillig auf den letzten Listenplatz. Was folgte, war ein humorvoller kämpferischer Wahlkampf der "Besten für den Westen". CDU-Kandidaten aus Engelbostel und Schulenburg gegen Parteifreunde aus Godshorn.
Und diese Wahlkampagne mit Charme und mutig bekannter Unabhängigkeit von Fraktionszwängen brachte Erfolg. Lutz Döpke ist im Rat - Ulrich Müller ist es nicht. Wer putschen will, muß auf die Popularität achten: Die Bevölkerung lässt sich nicht so einfach von "denen da oben" jemanden vorsetzen. Gerade Putschisten nützt die innerparteilich taktisch geschickt erworbene "gute Ausgangsposition" nichts. Das Wahlvolk straft diese eher ab. Und wählt, wen es will - egal, auf welchem Listenplatz.
Bettina Reimann
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