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Vatertag: Freibrief-Saufen Drucken E-Mail
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Christi Himmelfahrt, 14 Uhr, Nähe Wennebostel in der Wedemark: Ein Fahrrad mit Bollerwagen und rotem Sonnenschirm steht am Straßenrand - einige johlende junge Männer beugen sich über einen auf der Straße liegenden Gleichaltrigen, dessen erschlaffter Muskeltonus ebenso Exitus wie Vollrausch bedeuten könnte. Sorgen macht sich keiner der Umherstehenden. Und die Kraft des auf die Straße Gesunkenen reicht noch für eines: Das feste Umklammern einer Bierflasche. Autos fahren vorbei - keiner hält an, niemand fragt, ob man helfen kann. Ist ja Vatertag. Und das, was man da zu sehen bekommt, ist eben "Spaß" besonderer Art. Freibrief-Saufen bis zum Umfallen.

In aller Öffentlichkeit. Am Mittag. Ohne Schamgefühl. Drei Stunden später, auf dem Natelsheideweg, kurz vor dem Waldkater. Dasselbe rote Schirmrad - und auf dem Gehsteig gegenüber dieselbe Schnapsdrossel. Liegend. Erschlafft. Eine leere Bierflasche neben sich, eine zweite mit letzter Kraft fest umklammert. In drei Stunden hat man es trinkend die gut fünf Kilometer zum eigentlichen Ziel, dem Ausflugsrestaurant, geschafft. Zehn Minuten geht gar nichts auf dem Natelsheideweg, denn die "Feiernden" haben ein Problem mit ihrem Bollerwagen-Schirm-Rad und kriegen es zunächst nicht von der Straße. Den Kumpel auf dem Gehweg beachten die Sturztrunkenen nicht - und man fragt sich: Wie haben sie den überhaupt hergeschafft? Im Bollerwagen?

 

Vatertag: In der sonst festtäglich stets ruhigen Wedemark hört man geradezu regelmäßig Krankenwagen fahren. Was  für ein  Tag, nicht wahr? Endlich darf ein Mann mal ein richtiger Mann sein.... Und das bedeutet? Mittags sturztrunken auf dem Gehsteig liegen?

Glücklicherweise nur bei einer Minderheit von Vatertagsausflüglern, denn die Heerscharen von Radlern sind zumeist Familien - mit nüchtern wirkenden fröhlichen Vätern.

Es gibt Traditionen, die gerne endgültig aussterben dürfen. Das Freibrief-Saufen als Vatertags-Ritual gehört eindeutig dazu. Es ist ekelig und primitiv. Und ich glaube sicher: Es ist nicht das, was ein wahrer Mann wirklich will.

Meint:

Bettina Reimann




 

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