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"Also, ich nenn Dich heute Robbie, damit die ganzen Auflagen auch gerechtfertigt sind", sagte ich heute Mittag zu Marvin Cybulski. Tatsächlich hatten wir, die IWP, als Organisatoren, zeitweilig das Gefühl, wir hätten Robbie Wiliams eingeladen. Oder die Stones in jungen Jahren. Wer Langenhagen bewegen will, muß nach wie vor erstmal dicke Hürden wegschieben. Im Vorfeld war uns und den Securitykräften unserer Wahl klar: Marvins Fans sind nette ruhige Leute - und 12jährige Mädchen kollabieren selten beim Anblick eines Mannes, den sie sich als Papa vorstellen könnten. Und doch: Egal, welche zuständige einspruchberechtigte Stelle von Amts wegen den Saeger-Hof vorab besichtigte - stets geisterte die Autogrammstunde von Oberhausen durch deren Köpfe. Und sie geisterte dort vor allem deshalb herum, weil die Verantwortlichen nicht unterscheiden konnten zwischen Neu-Teenie-Bravo-Titelseiten-Idolen wie Sebastian Wurth oder Pietro Lombardi und einem gereiften Künstler wie Marvin Cybulski. Weil "das Internet", in dem die Veranstaltung angekündigt wurde, den Bedenkenträgern offensichtlich ein Buch mit sieben Siegeln ist und alle Events, die dort verzeichnet sind, als kollapsgefährdet gelten.
Ämter und Bedenkenträger hörten Begriffe wie "DSDS" und "Superstar" und die Zuständigen drohten zu hyperventilieren. Gleiches erwarteten sie wie selbstverständlich auch von den Konzertgästen. Und so wurde dann der Sicherheitsaufwand von Tag zu Tag größer, zu Veranstaltungs-Sicherheitsgittern kamen Verkehrs-Sperrgitter, die vorsichthalber vorgehalten werden mussten, falls die Walsroder Straße als Fluchtweg für die panische Menge herhalten müsse.
Zwei Rettungswagen, 20 Mann Security, das Abkleben oder Bemalen von Bordsteinkanten, die Sperrung der Martin-Luther-Straße mit Schildern auf IWP-Kosten, Wurfzettel in die Häuser der Anlieger wg. Nichtparkendürfens, Reinigungspflicht entlang der Walsroder zwischen Niedersachsenstraße und Imhofstraße. Und für diese ganzen Auflagen gab es einen städtischen Bescheid - natürlich kostenpflichtig - nochmal 100 Euro.
Und dann wäre da noch eine letzte amtsseitige Ortsbegehung mit den Platzinhabern Saeger am Sonntagmorgen um 7 Uhr. In Worten: SIEBEN! Nee, schon klar. Das war dringend nötig - vor allem um die Uhrzeit. Da war Gefahr im Verzug - die Gefahr, dass einige der Veranstalter ausgeschlafen hätten in den Tag starten können.
Es kam, wie es kommen musste: Keine einzige Zuschauerin hyperventilierte oder kollabierte - die Veranstalter waren dem Breakdown im Vorfeld jedoch nahe. Ja, es war gutes Stadtmarketing, den Langenhagener Superstar im Rahmen eines Straßenfestes in seiner Heimatstadt auftreten zu lassen. Doch für engagierte Veranstalter, die dies ehrenamtlich machen, gilt stets: Strafe muß sein, wenn man Langenhagen wirklich bewegen will.
Meint, begeistert von Marvins Auftritt, doch zweifelnd, ob sie künftig noch Veranstaltungen für Langenhagen planen möchte: Bettina Reimann
PS: Wie ist das eigentlich in diesem Jahr mit den Jazzmatineen im Rathaushof... und mit dem Stadtfest... und den örtlichen Schützenfesten... die stehen auch im Internet. Ich erwarte rot angemalte Bordsteinkanten aller Orten, sonst könnte man doch glatt auf die Idee kommen, dass mit zweierlei Maß gemessen wird.
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