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Bexon: das falsche Bild von Elze Drucken E-Mail

Die Marketing-Lachnummer der Saison kommt aus Aachen. Es beginnt mit einem Flyer per Tagespost, der allen Haushalten in Elze in der Wedemark zugegangen ist. Geworben wird für ein "traditionelles Bleiglas-Fensterbild für die Einwohner von Elze". Ein einzigartiges Bild von Elze würde man mit diesem 119 Euro teuren Machwerk erhalten. Vier Bilder sind zu sehen: Die Peter & Paul-Kirche, der Glockenturm, die Schule und das Gemeindebüro. Welche Kirche? Wo steht die denn?

Nun bin ich als Elzerin auf die Suche gegangen in meinem Dorf. Diese schöne Kirche, wie konnte ich sie in 40 Jahren Elzer Wohnens übersehen? Ich wandelte durch den adventlichen Ort - doch nirgends dies traumschöne Kirchlein. Des Rätsels Lösung: Drei Motvie des ach so liebevoll gestalteten Fensterbildes stammen aus "meinem" Elze in der Wedemark - die Kirche aber steht in Elze im Hildesheimischen.

 

Die Bexon GmbH aus Aachen firmiert als  Hersteller der Fensterbilder. Und man fragt sich natürlich, wie sehr ein Unternehmen schludern muss, um so eine Lachnummer zu landen. "Hat nicht jeder das Bedürfnis nach einem eigenen, sicheren ort, an dem er leben und glücklich sein kann?", fragt Bexon im gekonnt sülzigen Anschreiben, das sicher besonders die ältere Bevölkerung ansprechen soll.

 

Die Bildervorlagen für das Machwerk - sind sie vielleicht einfach aus dem Internet geklaut? Anders kann man sich dieses besondere Unikat zweier Elzes nicht erklären. Allerdings bringt die Bildrecherche keines der Motive aus diesem Blickwinkel.

Eine wirklich aussagekräftige Firmenwebsite hat Bexon nicht - wohl aber schon häufiger versucht, mit Uhren, Lampenschirmen und anderen motivverglasten Stücken Kasse zu machen - immer mit Bildern von Ortschaften. Im Internet sind  wenige Zeugnisse zufriedener Kunden zu finden, deutlich mehr Aussagen von Kunden, die mangelnde Qualität beklagen.

Vor allem aber bekunden Gemeinden, dass Bexon nicht in ihrem Auftrag arbeitet. Und Ortskundige lästern über nicht wiederfindbare Ortsmotive auf Porzellan, Uhren und Glasbildern, die als einzigartig feilgeboten werden. Die Bexon GmbH gibt es auch in Wien und Basel - amüsierte Blogeinträge kommen ebenso aus D wie aus A und CH. Die machen das schon länger, die "Porzellanmeister" und "Glaskünstler" von Bexon.... Der Ursprung des Unternehmens liegt in Belgien. Dirk Noppe, der die Werbebriefe unterzeichnet ist belgischer Staatsbürger und wenn man sich das Lesen  in holländisch und flämisch zutraut, findet man dieselben gläsernen Kunstwerke auch in BeNeLux. Und immer wieder die wild vertauschten Bilder:

Im Schweizer Münchwilen amüsierte sich 2009 die lokale Tageszeitung darüber, dass die Stadt laut Bexon-Werbeflyer über ein Schloss verfüge, das am Ort jedoch vergeblich gesucht wurde.

 

Uns bescherte das Unternehmen eine lustige Stunde. Man lasse sich auf der Zunge zergehen: "Aus allem, was Elze zu bieten hat, wurde unter künstlerischen Gesichtspunkten eine sorgfältige Auswahl getroffen. Sie werden sehen, mit wieviel Sinn für Details diese vier Themen ausgearbeitet wurden." Wow ja, die Details waren uns vor lauter Lachen nicht aufgefallen. Am besten aber gefiel uns dieser Satz: "Leider konnte nicht alles, was für Elze typisch ist, in die Auswahl aufgenommen werden."

Nee, es fehlen ja dieser Elzer Airport, das Elzer Rathaus, der Elzer Marktplatz und weitere Motive, die es genausowenig gibt wie die Peter- und Paul-Kirche. :-))

Und als wir die Lachtränen aus den Augen gewischt hatten, fiel uns auch noch auf: Der Elzer Glockenturm steht in Wirklichkeit nicht im Wald, die Grundschule hat keinen großen Vorplatz - und das Gemeindehaus... hm... ist das nun in unserem Dorf?

 

Ja, Elze hat übrigens tatsächlich eine Art Wahrzeichen - das alte Wasserwerks-Tor. Ein immer wieder gern genommenes Motiv!

 

Und als wir uns fast schon wieder beruhigt hatten, lasen wir noch die werbenden Sätze auf der schwarz-weißen Vorderseite - und entdeckten, wie man Billigdruck auch erklären kann: "Dieses traditionelle Bleiglas-Fensterbild ist absichtlich in Schwarzweiß abgebildet, da es einfach unmöglich ist, das wechselnde Farbspiel des einfallenden Sonnenlichts korrekt wiederzugeben."

Ja, das verkaufen wir Ihnen künftig auch so. Keine bunten Zeitungsseiten mehr - das einfallende Sonnenlicht können wir einfach nicht korrekt einfangen. Und Bilder drucken wir auch nicht mehr in der Zeitung, weil es einfach unmöglich ist, Menschen in Originalgröße abzubilden...

 

Ob irgendwer das mißratene Fensterbild bestellt? Ob Bexon den Fehler schon gemerkt hat?

Das fragt sich, noch immer schmunzelnd, aber auch entsetzt über so lieblose Geldmacherei:

Bettina Reimann




 

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